Immernochwinter 2010: Heute war ich beim HNO-Arzt meines Vertrauens. Nachdem gestern Abend mein Hals wieder schmerzhaft zugeschwollen ist, musste ich doch einsehen, dass ich um eine weitere Dröhnung Anti-B nicht herum komme. Also habe ich die Schlittschuhe angezogen und bin heute Morgen über die Eisbahn – äh – Straße in das Städele geschlittert.

Der gute Mann war gar nicht amüsiert, mich schon wieder mit Mandelentzündung UND Seitenstrang-Angina zu sehen. Jetzt also schon beides gleichzeitig. Ich lasse auch wirklich nichts aus. Mein Männe blaffte mich heute Morgen an: “Werd’ endlich mal gesund!” Die gute Nachricht ist, Arztie stimmt mit mir überein, dass die fiesen Mandeln raus müssen. Ich komme mir wie als Kind vor, dem die Mandel rausgerissen werden sollen. Auch die in Aussicht stehenden Tonnen an Eis beruhigen mich nicht. Eine Woche Krankenhaus, zwei weitere krankgeschrieben.

Ich werde wohl erst im Sommer oder Herbst die OP machen lassen, wenn ich Eis wieder sehen kann und will. Dann lohnt sich das wenigstens. Eis habe ich gerade genug vor der Haustür. Da brauche ich es nicht auch noch im Hals.

Immernochwinter 2010: Heute ist der 1. Februar 2010. Jetzt ist es offiziell, jetzt darf ich als Selbstständige Rechnungen schreiben! Nebenberuflich Kleinunternehmerin mit Gewerbeschein. Wie das klingt. Meinen “Hauptberuf” darf ich leider erst ab dem 2. März ausüben. Dann beginnt mein 400-Euro-Job als Bürohilfe. Da davon niemand leben kann, wurde ich zusätzlich zu einem 1-Frau-Satz- & Layoutstudio für Printprodukte aller Art. Ich habe sogar schon zwei Aufträge von einer mir seit Jahren bekannten Druckerei ergattert, die nur freie Grafiker beschäftigt. Ich habe da einfach mal angerufen, die Lage erklärt und gefragt, ob die nicht was für mich hätten. Hatten sie und ich den Fuß in der Tür.

Mein letzter Arbeitgeber, mit dem ich letzte Woche gesprochen habe, ist so freundlich, mir die 500 Werbeflyer für meine “Firma” kostenlos zu drucken. Ich bin ja auch eine kleine liebe Wuchtbrumme Walküre Pommeswalze rosafarbene Elfe, der niemand etwas abschlagen kann. (Vor allem da ich den Namen seiner Druckerei auf der Rückseite des Flyers erwähne. Kostenlose Werbung und so.) Jetzt brauch ich nur noch einen Sponsor für meine 250 Visitenkarten und Briefbögen. Wer möchte? *blinzelblinzel*

Immernochwinter 2010: Jetzt war ich die böse Grippe mit gleichzeitiger schwerster Angina ever (inkl. Besuch in der Notaufnahme wegen dermaßen zugeschwollenem Hals, dass ich nur mit größter Anstregung  und unerträglichen Schmerzen noch schlucken konnte. Sogar mein Zäpfchen war auf’s dreifache angeschwollen und hing mitten im Hals. Verdacht auf Diphtherie.) durch 15-tägige Antibiotikumgabe endlich los. Doch nach drei Tagen ohne Anti-B erwischt mich eine Erkältung mit Halsschmerzen, Schnupfen und schon wieder Husten wie doof. Was soll denn das? Ich will nicht!

Winter 2010: Der Zeitungsjob ist Geschichte. Nachdem sich die Frau von Anfang an geweigert hat, irgendetwas schriftlich festzuhalten und zu unterschreiben, kam auch noch absolutes Preisdumping dazu. Sie ließ in keiner Weise mit sich reden und wiegelte nur ab. Als ich dann in einer Mail von ihr den Satz “… ich denke, all das zusammen ist immer noch besser als Arbeitslosigkeit.” las, war für mich der Ofen schlagartig aus und ich habe die Reißleine gezogen.

Erpressen lassen muss ich mich noch lange nicht und vor allem nicht so dumm dreist. In den ersten Gesprächen klang alles noch ganz toll und ich sollte die Hauptarbeit leisten und super viel Verantwortung übernehmen. Als sie dann die Seitenzahl für den Zeitungsdummy zwei Mal erhöhte, aber den Preis dafür nicht, und vier Mal das Layout und die Seiten-Reihenfolge grundlegend änderte, bin ich mißtrauisch geworden. Also bat ich sie dann um eine schriftliche Fixierung des ganzen Projektes, damit es später keine Missverständnisse oder Probleme gibt. Da wurde sie plötzlich ganz hektisch und wiegelte mich ab: “Das ist totaaal unüblich. Außerdem kann ich noch gar nicht absehen, wie sich alles entwickelt, also kann ich vor der Herausgabe der ersten Zeitung auch noch nichts schriftlich festhalten.” “Wie bitte? Gehen sie also auch in ein Autohaus, suchen sich ein Auto aus und nehmen es mit, ohne dass der Verkäufer eine Unterschrift unter einem Vertrag haben will, oder wie? Sie können ja vorher auch nicht absehen, ob Ihnen das Auto gefällt und wie es fährt.” “Das ist ja was völlig anderes.” Aha. Ich glaube, ich bin schon zu lange aus dem Geschäft raus.

Winter 2010: Es ist, wie ich mal wieder befürchtet hatte. Ich bin schon wieder an einen Chaoten geraten. Die Sache mit der Zeitung wird eine einzige Katastrophe werden. Die Frau hat absolut keinen Plan, weder als Unternehmerin noch als Auftraggeberin. Der Preis und ihre Vorstellung vom Arbeitsverältnis sind absolut unterirdisch, fast schon sittenwidrig. Sie lässt auch nicht mit sich reden. Sie hätte schon für weniger gearbeitet und trotzdem davon leben können.

Schriftlich will sie auch nichts vereinbaren, nur auf starken Druck meinerseits wird es, wenn überhaupt, zu einem schriftlichen Angebot kommen, das sie dann abzeichnen soll. Diese Frau betreibt absolutes Lohndumping, wahrscheinlich nicht böswillig, sondern aus völliger Unkenntnis, ja fast schon Ignoranz heraus. Ohne Wissen über die üblichen Gepflogenheiten und Preise in der Grafik-Branche und Informationen über die Rechtslage läuft sie völlig planlos durchs Weltall. Hat sich eine hübsche Idee in den blonden Kopf gesetzt und meint, alle müssten ihren Vorstellungen gehorchen.

Ich musste ihr erklären, wie das mit der Umsatzsteuer und der Einkommensteuer läuft. Dass dann noch Versicherungen kommen, dass man als Selbstständiger nicht nur 140 Tacken KV zahlt, sondern 274 + PV. Dann habe ich mal vorgerechnet, was alles an Kosten noch auf mich zukommt. Dass nur 100 Euro zum Leben bleiben. “Tja, das reicht doch.” ist die lappidare Antwort. Da bin ich innerlich explodiert. 40 Stunden die Woche als Art Director absolut eigenverantwortlich und für Fehler haftend für 100 Euro zum Leben arbeiten? Wo sind wir hier? Im Sklavenland? Von anderen freiberuflichen Grafikern werde ich schon als Pixelhure beschimpft.

Jetzt muss ich wirklich entscheiden, ob ich noch in den Spiegel gucken können will, oder nicht.

Winter 2010: Tja, nun ist es raus: Beim Verlag werde ich nicht als Angestellte arbeiten. Ich soll freiberuflich tätig sein und dann pro Zeitungs-Seite eine Rechnung stellen. Das heißt, ich muss das ganze Geraffel als Existenzgründerin durchziehen. Genau das wollte ich aber nicht. Aaaaarrrggghhh! Arbeitslos oder Freiberuflerin? Pest oder Cholera? Ich würde gerne das “oder” nehmen. Das Universum hat immer noch was gegen mich. Meine Karmapunkte bewegen sich schon im Minusbereich.

Es hilft kein Jammern, es hilft kein Flehen: Also Termin bei befreundeter Steuerbarterin gemacht, mit Finanzamt telefoniert, Krankenkasse benachrichtigt (300 Tacken im Monat! Mir ist das Telefon aus der Hand gefallen!), Männe geschockt, Katze getreten. So, ich glaube ich habe an alles gedacht.

Morgen dann bei der PR-Agentur anrufen und denen sagen, dass ich nur den 400-Euro-Job mache und nicht Super-Duper-Seminarleiterin werden will. Die werden davon nicht begeistert sein. Ich glaube, die haben mich schon als feste Mitarbeiterin gesehen. 2.500 Euro brutto  sind zwar toll, aber dafür 5-6 Tage die Woche durch ganz Deutschland jetten und kaum noch Privatleben zu haben, ist es mir nicht wert. Stattdessen kann ich bei Krankheit meine eigene Kloschüssel in meinem Bad anbeten und muss das nicht in irgendwelchen Hotels oder anderen Gebäuden tun. Ich muss mich nicht darum sorgen, wie ich aus Berlin, Köln, Frankfurt etc. mit 39° Fieber nach Hause komme, sondern ich bin dann Zuhause bzw. lasse mich von meinem Männe aus der Nähe abholen.

Das ist doch mal ein guter Plan.

Winter 2010: Vorgestern habe ich mich für einen Büro-Hiwijob beworben und am gleichen Abend die Zusage erhalten. Gestern sollte ich nachmittags gleich eingearbeitet werden. Am Morgen wachte ich mit leichten Husten und allgemeiner Schlappheit auf. Aber ich habe die Zähne zusammengebissen und bin zur Arbeit gefahren. Nach 1 1/2 Stunden gings dann richtig los: Schwindel, Schüttelfrost, Sehschwierigkeiten. Mitten in der Erklärung über die Funktion der Plotter und Drucker wird mir so heftig übel, dass ich zur Toilette stürzen muss. Himmel sei dank, ich stand direkt vor der Toilettentür. Nach dem sehr heftigen Brechanfall komme ich kaum noch auf die Beine. Kreidebleich sieht mich mich mein Konterfei im Spiegel an. Irgendwo in meinem benebelten Hirn formen sich die Worte: “Oh Gott, wie peinlich! Und das am ersten Arbeitstag. Die lachen sich doch kaputt.”

Ich schwanke aus der Toilette, erkläre, dass mich wohl die Grippe erwischt hat und ich den Tag leider abbrechen muss. Mein Kollege ist sehr verständnisvoll und entschuldigt mich. Mein Männe muss mich abholen, da er mein Auto hat. Auf dem Rückweg kann ich vor Zähneklappern und Zittern kaum noch sprechen. Kaum Zuhause, bete ich schon wieder minutenlang die Kloschüssel an.

Der restliche Abend und die Nacht verbringe ich in einem erbarmungswürdigen Zustand. Das Ibuprofen senkt zwar das Fieber (über 39 ° innerhalb von drei Stunden), kann die Schmerzen aber kaum vertreiben. Die Nacht wälze ich mich nur hin und her, da jede Lage nach einigen Minuten nicht mehr auszuhalten ist. Die Anbetung der Kloschüssel wiederholt sich noch einige Male, obwohl ich MCP genommen habe.

Um 6 Uhr schleiche ich zum Sofa und lasse mich vom Fernseher berieseln. Nach der dritten Ladung Ibuprofen döse ich schließlich bei Desperate Housewifes ein. Um 7 Uhr werde ich von meinem Männe geweckt, der von der Nachtschicht kommt. Ich schlafe sofort wieder ein.

Jetzt bin ich wach und kann wieder aus meinen Augen gucken und aufrecht stehen. Das Fieber pendelt sich bei knapp über 38 ° ein, die Schmerzen sind auszuhalten. Die letzte echte Grippe ist vier Jahre her, aber ich glaube, so schlecht wie jetzt ging es mir dabei nicht. Ich hätte echt nicht gedacht, dass mich die Schweinegrippe doch erwischt. Aber auch jetzt hätte ich mich nicht dagegen impfen lassen. Grippe ist immer scheiße, egal ob normale, spanische, Schweine- oder jetzt sogar Ziegengrippe. Ich werde es wohl überleben. Was mich nicht umbringt macht mich stark. Schlimm ist nur, dass ich auf der Arbeit am ersten Tag kotzen musste. Peinlich, peinlich.

Heiligabend 2009: Seit Tagen liegt Schnee. Nicht meterhoch, aber doch soviel, dass die Postboten immer später am Tag die Post ausliefern. Normalerweise bei uns um 9.30 Uhr. Doch seit dem Schnee ist es ein Glückspiel, wann sie da ist. So ist es am 22. Dezember passiert, dass ich um 12.00 Uhr nachgesehen und den Briefkasten leer vorgefunden habe. Ok, heute eben keine Post. Am nächsten Vormittag war Post drin. Leider mit einer Absage der Bundeswehr vom Tag zuvor. Toll, toll, toll! Weihnachten im Arsch. Perfektes Timing. *örks*

Abends gucke ich eher aus Spaß, denn ernst gemeint in den Briefkasten. Höh? Schon wieder was drin. Diesmal von heute und eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei einer PR-Agentur, bei der ich mich vor vier Wochen um eine 400-Euro-Stelle als Bürohilfe beworben haben. Und jetzt das Geschenk: Die wollen mir nicht nur den Bürohiwijob anbieten, sondern nach Durchsicht meiner Unterlagen auch gleich noch einen Job als Mediengestalterin! Erst einen Tag die Woche, dann bei Bedarf mehr. Für Präsentationen und Seminare. Ob ich damit einverstanden wäre? Nein, bloß nicht. Wer will schon als Pixelschubser arbeiten? Na klar, bin ich! Gleich Mail hingeschrieben und Termin bestätigt.

Da bin ich immer noch platt. Wer rechnet auch mit sowas. Morgens ‘ne Absage und Abends quasi ‘nen neuen Job. Das passt ja wunderbar. Wenn das mit dem anderen Job bei der Zeitung klappt, kann ich nebenbei noch Geld verdienen und mir endlich einen besseren Mac kaufen. Es gibt den Weihnachtsmann also doch.

Winter 2009: Anfang Dezember habe ich mich auf eine 400-Euro-Stelle als  Mediengestalterin beworben. Überraschenderweise bekam ich eine Woche später einen Telefonanruf, bei dem ich zu einem Vorstellungsgespräch drei Tage später in eine Café-Bar eingeladen wurde. Am Abend des Telefonanrufes bekam ich noch eine Mail der Firma, in der ich gebeten wurde, vorab schon mal eine Probearbeit abzuliefern. Die Daten hingen dran, die anderen Kandidaten hatten die gleiche Aufgabe. Am nächsten Tag sollte ich das fertige Seitenlayout für eine Autozeitung per Mail an die Firma schicken.

Nun ist mein Männe ein Autofreak und hat auch die entsprechenden Zeitschriften abonniert. Also flugs die aktuellen Ausgaben rausgesucht, durchgeblättert, analysiert und ein neues Layout entworfen. Knapp vier Stunden und drei Entwürfe später habe ich mich mit mir auf den letzten Entwurf geeinigt. Den dann gleich druck- und vorlagenfähig gestaltet und per Mail verschickt. Die nächsten Tage bin ich fingernagelkauend durch die Wohnung geschlichen und habe auf den Stichtag gewartet.

Beim Vorstellungsgespräch mit der Firma – sie besteht aus einer Person – wurde ich sehr überrascht, und das aus mehreren Gründen: Es soll eine kostenlose Autozeitschrift in drei Landkreisen herausgegeben werden, die sich allein durch die Anzeigen finanzieren soll. Die Herausgeberin/Firma startet das erste Mal so ein Projekt. Dem entsprechend unerfahren ist die Dame. Sie braucht fähige Grafiker, die die gesamte Druckplanung, Gestaltung, Organisation und Koordination mit den zuarbeitenden Grafikern – die tatsächlich eine 400-Euro-Stelle haben – übernehmen. Und plötzlich wurde aus meinem 400-Euro-Job eine Vollzeitstelle mit 40 Stunden vom Home-Office aus. Überraschung!

Das Gespräch dauerte fast zwei Stunden und nach der ersten halben Stunde kamen die Worte “Ihr Entwurf hat mir am Besten gefallen und Sie haben Ahnung von der Druckmaterie. Bei Ihnen habe ich ein sehr gutes Gefühl, Sie haben den Job!” und ich wurde ganz plötzlich und völlig unerwartet eine der drei “Obergrafiker” des Verlages. Es kommt mir wie ein Weihnachtsgeschenk vor. Hoffentlich muss ich es nicht umtauschen. Nach Weihnachten werden die Modalitäten geklärt. Aber erst wenn das erste Gehalt eingeht, werde ich glauben können, dass ich wieder zur arbeitenden Bevölkerung gehöre. Bis dahin werde ich ungläubig meinen Kopf schütteln und erst mal Weihnachten feiern.

Fast Winter 2009: Ich führe seit Beginn meiner Arbeitslosigkeit (Juni 2008) eine Liste mit meinen Bewerbungsversuchen. Aus dem einfachen Grund: Mein. Arbeitsamt. Will. Das. So. Ich hätte es lieber nicht gemacht, da es mich viel zu sehr deprimiert.

Heute bin ich so tief unten, dass ich nicht tiefer sein kann. Es sei denn, es drückt mir wer ‘ne Schaufel in die Hand. Aus Angst, Niedertracht, Elend, Spaß fasse ich die Ergebnisse mal für Euch zusammen, damit Ihr mit mir zusammen deprimiert sein könnt. Ich bin ein Dämon aus der Hölle, ich weiß.

Bewerbungen seit Juni 2008

285 insgesamt, davon

  • 184 per Telefon
  • 28 per Post
  • 71 per eMail
  • 1 über Online-Formular
  • 1 persönlich vorgesprochen

davon

  • 276 als Mediengestalterin
  • 9 als Aushilfen