Wollte Sie mal kennenlernen …

Sommer 2008: Eine Druckerei hat auf eine meiner Bewerbungen geantwortet und mich zu einem Vorstellungsgespräch um 16.30 Uhr eingeladen.

Das Gewerbegebiet liegt mitten in der Stadt und ist mir unbekannt. Also flugs bei GoogleMaps die Route ausgedruckt (40 km) und um 15.30 Uhr mit meinem Auto losgedüst. Um 16.00 Uhr lande ich mitten im schönsten städtischen Feierabendverkehr. Macht nix, hast ja noch 30 Minuten. Also folge ich der Routenbeschreibung und stelle plötzlich fest: Ich soll in eine Einbahnstraße rein. Von der falschen Seite. Mmmh, fährste mal die daneben rein und guckst, wo du rauskommst. Öh, wo bin ich jetzt?

Das Ganze zieht sich fast 30 Minuten hin, bis ich entnervt bei einem Autohaus halte und nach dem Weg frage. Der wird mir fast verständlich erklärt. Also geht’s weiter. Nach mal eben schnell bei der Firma angerufen und sagen, dass ich „in der Stadt festhänge“ und noch etwas brauche. (Man beachte die Wortwahl.) Nachdem ich noch 30 Minuten im Feierabendverkehr brauche, fahre ich auf den Hof der Firma. Gehe zur Tür, drücke und breche mir fast das Handgelenk: zugesperrt. Scheiße, die sind schon im Feierabend. Aaaarrrgggghhh!

Handy gezückt, angerufen. Der freundliche Herr teilt mir mit, es gäbe eine Klingel neben der Tür, man würde mir dann öffnen. Peinlich berührt drücke ich auf die Klingel, die ich in meiner Hast nicht gesehen habe. Typisch.

Alles wird gut und ich sitze im Gespräch mit dem potentiellen Chef. Das erste was er fragt, ob ich noch beim Einkaufen war. Häh? „Ja, sie hingen doch noch in der Stadt fest. Standen Sie noch an der Kasse?“ „Äh, nein. Ich stand im Feierabendstau. Der dauerte länger als gedacht. Außerdem habe ich mich total verfahren.“ Was denkt sich der Typ? Dass ich erstmal ordentlich shoppen war, oder was?

Dann lässt er mich fast 45 Minuten quatschen und erklärt die Einzelheiten der Konditionen: Aufträge, Hardware, Wochenstunden, Gehalt, Urlaub. Beim Verabschieden sagt er: „Schön dass Sie hier waren. Leider haben wir in absehbarer Zeit keine Stelle frei, aber ihre Bewerbung klang interessant, da wollte ich Sie einfach mal kennenlernen.“

Sprachlos stolpere ich aus der Tür und fasse mir an den Kopf: 1,5 Stunden Stau, 45 Minuten Mund fusselig gequatscht und 80 km umsonst gefahren. Wo bin ich hier? Im Wiewunderland oder was?

Das nächste Mal gehe ich hin und sage: „Ach, eigentlich suche ich keinen Job. Ich wollte nur mal Ihre Firma kennenlernen …“

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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