Sandalen und die Schwerkraft

Sommer 2000: Vor meiner Ausbildung habe ich ein Praktikum in einer anderen Stadt gemacht. Ich musste dafür eine ziemlich lange Zugfahrt in Kauf nehmen und war über 2,5 Stunden am Tag unterwegs. Der Sommer war heiß und ich trug Sandalen á la Birkenschrott, die hinten offen waren und zwei breite Riemen über dem Spann hatten. Nun war es so: Während des Tages sind ja bei Wärme bekanntlich die Füße etwas geschwollen. Am Tage passten die Sandalen wie angegossen. Wenn es allerdings morgens kälter ist, sind auch die Füßer etwas dünner.

Ich bin auf dem Weg zur Arbeit, der Zug hält an meiner Endstatio und ich bin die erste, die an der Tür steht und aussteigen will. Ich hebe meinen Elfenfuß und senke ihn mit den Zehen voran nach unten auf das erste Gitter. In diesem Augenblick fühle ich etwas rutschen. Ssssssiiiiitttt … Die Sandale rutscht vom dünnen Fuß, ich kann sie mit den Zehen nicht mehr stoppen und sehe sie von der untersten Stufe noch einmal fröhlich winken, als sie in die Freiheit zwischen Zug und Bahnsteigkante fällt.

Wie angewurzelt stehe ich auf der Stufe und komme mir wie vor im falschen Film. Die nachfolgenden Leute drängen mich nun barfüßig nach draußen. Hektisch überlege ich, was ich jetzt machen soll. Schreien? Weinen? Lachen? Im Erdboden versinken, weil ich die Leute kichern höre? Nein! Schreiend und Arme wedelnd auf dem Bahnsteig hin und her laufen Cool bleiben und so tun, als sei das jetzt in Mode, mit nur einer Sandale am Bahnsteig zu stehen.

Äußerlich lässig (und innerlich schaaaamrot) warte ich, bis der verdammte Zug endlich abfährt und bitte dann einen vorbeikommenden Bahnbediensteten mir zu helfen. Ich erkläre ihm die Lage und zeige ihm die entflohene Sandale. Ich bin ihm wirklich dankbar, dass er erst anfing laut zu lachen, als er mir von den Gleisen aus  den Schuh gegeben hatte und ich dann schon mehrere Meter entfernt war.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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