Verpatzt

Frühling 2009: Ein global agierendes Futterunternehmen hat mich nach einem erfolgreichen Probearbeiten zu einem zweiten Bewerbungsgespräch eingeladen. Alles sah wirklich sehr gut aus und ich dachte, das könnte etwas werden. Bis die Geschäftsführerin mit 25 Minuten Verspätung den Raum betrat.

Kennt Ihr das: Ihr seht jemandem ins Gesicht und wisst sofort, der kann Euch nicht leiden? Dass man jetzt sagen kann, was man will und man bekommt trotzdem keinen Fuß mehr an den Boden? Tja, 45 Minuten und endlosen Überzeugungsversuchen später wurde mir das schmerzlich bewusst. Ich hatte das Gespräch so gründlich verpatzt, mehr verpatzen geht nicht. Ich hätte mich genauso gut auf ihre 300-Euro-Schuhe übergeben können und das Ergebnis wäre identisch gewesen.

Zugegeben: Ich bin auf die Psychotricks reingefallen. Das erste Mal! Dabei habe ich schon so viele Bewerbungsgespräche geführt. Ich fasse es immer noch nicht! AAAAAARRRRGGGHHHH!

Egal. Dumm gelaufen. Das ist auch nicht der Grund, warum ich es hier aufschreibe. Sondern: Ich erhielt am nächsten Tag eine hingepfuschte Mail mit der Absage. Wirklich hingepfuscht: Rechtschreibfehler und ein nicht gelöschter Halbsatz von einer anderen Mail. Für so etwas hätte ich als Arbeitnehmer eine Abmahnung erhalten! Professionalität? Öööhhh …

Ich rief also bei der Personalabteilung an und fragte höflich, warum ich abgelehnt wurde. Mir wurde in so einem rüden Ton geantwortet, dass es mir peinlich war, da noch mal angerufen zu haben. Dann wurde mir dreist ins Ohr gelogen: Es läge an meinen mangelnden Wirtschaftsenglisch-Kenntnissen. Dass es eine Lüge war, erfuhr ich drei Tage später, als meine Arbeitsamt-Sachbearbeiterin anrief. Sie hätte einen Zettel auf dem Tisch: Jemand aus dieser Firma hat bei der AfA angerufen und gesagt, ich solle doch beim nächsten Bewerbungsgespräch nicht nochmal so schlecht über meine bisherigen Arbeitgeber sprechen. Damit hätte ich mir alle Chancen verbaut. Die Sachbearbeiterin hat mich so dermaßen gemaßregelt und mir mit Sanktionen gedroht, dass meine Schlagader fast explodiert wäre.

Da suche ich mir selbst eine Firma und nicht die AfA, komme durch das erste Gespräch und das Probearbeiten und dann ruft dieser Laden bei der AfA an und macht mich noch aufs Übelste schlecht. Wo sind wir hier eigentlich? Reicht es nicht, dass die mich während des Gesprächs psychologisch aufs Glatteis geführt haben, ich prompt reingefallen bin und eine Absage erhalten habe? Nein, die müssen mich auch noch bei der AfA anschwärzen! Ich fasse es nicht! So etwas habe ich noch nicht erlebt und auch nicht von anderen gehört.

Als Arbeitsuchender ist man heutzutage nur noch etwas, das die Katze von draußen mit reingebracht hat. Pfui …!

Advertisements

Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

Dein Senf hierzu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: