40-50-60

Herbst 2009: Ich bin zum Probearbeiten bei einer Werbeagentur eingeladen. Die Arbeitszeiten wurden mir mit „von 8.00 bis 17.00 Uhr und einer Stunde Mittag“ mitgeteilt.

Ich komme da am Montag um 7.30 Uhr hin und werde gleich mit einem großen Berg an Aufgaben konfrontiert. „Klasse“, denke ich, „endlich mal wieder was zum Austoben.“ Die Hälfte meiner Entwürfe findet sofort Anklang bei der Abteilungsleiterin, die andere Hälfte muss ich noch mal überarbeiten. Von der Stunde Mittagspause nehme ich nur 10 Minuten, weil ich die Aufgaben bis abends sonst nicht schaffe.

17.15 Uhr bin ich fertig und frage (mehr pro forma), ob ich noch etwas machen soll oder nach Hause gehen kann. Die Antwort irritiert mich etwas. „Du kannst gerne noch weiter machen.“ Tja, ich merke, das ich schon zu lange aus dem Geschäft raus bin. Trotzdem verabschiede ich mich, da ich seit dem Mittag sehr starke Kopfschmerzen habe. Am nächsten Tag wollte ich die letzten beiden Aufträge erledigen.

Am nächsten Tag um 7.45 Uhr  sind die Aufträge weg und ich muss Bildbearbeitung machen. Das liegt mir sehr und macht auch Spaß. Ich mache nur 20 Minuten Pause, da es sehr viele Bilder sind. Um 17.30 Uhr mache ich wieder als Erste Feierabend und wundere mich ein wenig, warum kein anderer geht.

Am dritten und letzten Tag bin ich um 7.40 Uhr in der Firma und höre im Laufe des Tages ein Gespräch meiner Kollegen: „Wann bist Du gestern gegangen?“ „Es war jedenfalls noch gestern.“ Äh, wie jetzt? Ich frage vorsichtig nach. Die Antwort lässt mich verstummen. Seit Wochen/Monaten sehen die Arbeitszeiten so aus: Es wird von ca. 7.30 bis 18.00 Uhr gearbeitet, dann gehen die Leute nach Hause, kommen gegen ca. 20.00 Uhr wieder und arbeiten noch bis kurz vor Mitternacht. Oder sie gehen gar nicht erst nach Hause, sondern bleiben gleich bis 22.00 Uhr.

Beim Vorstellungsgespräch war von einer 40-Stunden-Woche die Rede! Die Realität ist eine 50-Stunden-Woche und mit Überstunden ist eine 60-Stunden-Woche gemeint. Der eine Typ schenkt seiner Freundin zum Ausgleich PS-Spiele: „Wenn sie mich schon so selten sieht, dann soll sie wenigstens etwas zu spielen haben.“ Da war ich doch etwas platt. Was ist das denn für ein Ersatz für das Privatleben?

Sollte ich froh sein, dass die mich nach dem dritten Tag ohne ein weiteres Wort der Erklärung haben gehen lassen und sich auch bis jetzt in keiner Weise gemeldet haben? Ich glaube schon. Ehrlich gesagt: Ich bin das erste Mal sogar erleichtert.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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