Rituale

Sommer 2010: Wer mich und mein Männe kennt weiß, dass wir nicht viel von Romantik und derlei Firlefanz halten. Bei uns würde ein Heiratsantrag wohl so ablaufen, dass Männe mir eine selbstgedrehte Schraubenmutter beim Mittagessen in den Kartoffeleintopf werfen würde und fragt, ob ich für den Rest seines Lebens für ihn kochen möchte. Pragmatisch wie wir sind, würden wir daraufhin mit Malzbier oder Cola anstoßen. Aber ich schweife ab.

Trotz unseres Mangels an romantischen Gefühlen gibt es ein kleines Ritual, das sich hartnäckig seit Jahren hält und täglich vorkommt. Bis jetzt hat es sich völlig ungestört vollziehen lassen, ohne dass wir darüber groß nachdenken mussten. Jeden Abend zur gleichen Zeit macht sich Männe auf zur Arbeit. Das Ritual beginnt mit der allabentlichen Suche nach dem Autoschlüssel, gefolgt von Gefluche, wo ich ihn denn wieder versteckt hätte (ja ne, is klar). Käppie aufsetzen, knuddeln und Abschiedskuss, zur Tür begleiten. Beim Rausgehen sagen: „Fahr vorsichtig.“ Antwort bekommen: „Mach ich. Bis morgen.“ Sagen: „Bis morgen.“

Normalerweise. Dieses Mal kommt gerade unsere neuer Nachbar rein, als Männe raus geht und „bis morgen“ sagt. Bevor ich antworten kann, sagt unser Nachbar ganz selbstverständlich „bis morgen“ und bringt uns beide völlig aus dem Tritt. Männe verschwindet und überlässt mir die Aufklärung.

Unser Nachbar steht leicht verwirrt im Flur und ich kläre ihn über das Ritual auf  und dass das „bis morgen“ nicht ihm galt. Kleinlaut sagt er: „Achso. Ich hatte ihn  morgens schon ein paar mal beim heimkommen getroffen und wir hatten uns unterhalten. Da dachte ich, er verabschiedet sich jetzt von mir.“ Na klar, warum sollte mein Männe sich nicht auch eher von ihm als von mir verabschieden? Ich hoffe, er hat sich nicht in Männe verknallt oder so.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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