Klappe : Arsch

Heute war es soweit: der 90. Geburtstag oder auch Dinner for … äh, fünfundreißig.
Omma war fit, gut gelaunt und genoss den Trubel um sie herum. Das Essen war das beste aller Zeiten in einer Gaststätte, das ich ever auf einem Teller gefunden habe. Zufällig.

Es hätte ja so annehmbar, nett schön sein können, wenn … ja, wenn da nicht dieser widerliche, abgewichste abgefuckte Freund der Cousine meines Männe mit am Tisch gesessen hätte.

Sie: 22/ Er: 24.
Sie: extrem nett, für jeden Spaß zu haben / Er: bald ein Pfund Hackfleisch, wenn er mir noch mal über den Weg laufen sollte (was er mit Sicherheit wird)

Akt 1
Mitten beim zweiten Gang, man unterhält sich nach allen Seiten, auch Männe und ich. (Wer mich kennt weiß, dass ich eine große Klappe habe, die schneller redet, als mein Hirn denken kann, damit oft über das Ziel hinaus schieße, aber auch gut einstecken und mich trotzdem gegebenenfalls entschuldigen kann. Das bedeutet, ich bin echt hart im Nehmen.)
Während wir uns das Essen rein schaufeln, lauschen wir verzückt den hochtrabenden Gesprächen um uns rum (Japan, Erdbeben, Tsunami, Atomkraft, Gottes Gericht, Teufels Absicht etc. (Der neue Pastor (oldschool) saß prompt an unserem Tisch. Hat er die große 666 auf meiner Stirn nicht gesehen, oder was? Ich konnte jedenfalls nicht an mich halten und habe meine Meinung kundgetan. Wer mich kennt, weiß Bescheid, wie das Gespräch verlaufen ist: Der Pastor hat sich direkt nach dem Essen pikiert verkrümelt.)) und klinken uns hier und da mit ein (prahlen also mit unserem detaillierten Profi-Nichtwissen), so wie man das eben so bei solchen Gelegenheiten macht. Bleiben trotz unseres z. T. beißenden Sarkasmus aber immer höflich.
Männe unterhält sich mit Cousine M., deren jüngerem Bruder T. und flach wichsendem Freund, nennen wir ihn fwF, mit dem sie seit ca. drei Jahren zusammen ist. Warum auch immer.

Ich kriege nebenbei mit, wie jede (!) qualifizierte Aussage meines Männe von fwF mit großer Klappe abgeschmettert wird (hörst dich selber gerne reden, ach was, ist nur deine Meinung, geht dich nichts an, etc.) und werde hellhörig. Merke beunruhigt, wie Männe anfängt, mit den Zähnen zu knirschen. Das tut er nur, wenn er kurz vor einem Totschlag im Affekt steht. M. tut nichts, sieht nur passiv zu.
Klinke mich bei nächster Gelegenheit mit ein, will ein Gespräch beginnen, versuche es vier-, fünf Mal, ohne von den dreien aufgefordert worden zu sein, indem ich einfach auf einige ihrer sehr lautstarken Äußerungen eingehe und versuche, mit kleinen Späßchen die Situation zu entschärfen … und kriege von fwF an den Kopf geknallt, ob ich jeden belauschen würde und dass normale Menschen sich nicht in jede gehörte Unterhaltung einmischen, sondern sie nur schweigend aufnehmen würden und ich mich raushalten solle. Und das in einem Ton, dass unter meinem Auge ein Muskel anfängt zu zucken. Männe muss mir beruhigend über den Rücken streichen.
Ich lasse zehn Minuten vergehen, Männe steht nach dem Nachtisch auf und verlässt den Tisch. Neuerlicher Versuch meinerseits, ein Gespräch mit den dreien zu beginnen.
fwF: Wieso gibst du ständig Kommentare ab?
Ich: Das nennt man ein Gespräch führen. Ist diese Thematik in deiner Erziehung nicht vorgekommen?
fwF: Hör auf, dich in unsere Gespräche einzumischen, wenn du nicht dazu aufgefordert wurdest!

*PLING* Letzter Geduldsfaden gerissen.
Ich stehe auf, greife meine Handtasche und überlege kurz, ob ich sie ihm mit Schmackes an den Kopf knallen soll, um diesen dann eigenhändig abzuschrauben. Kann mich nur mühsam mit zuckenden Händen beherrschen und verlasse den Tisch.
Treffe ein paar Minuten später Männe, der immer noch vor Wut am Kotzen ist, und berichte die neueste Lage. Sehe zufällig seinen Onkel, der der Fast-SchwieVa von fwF ist, und frage ihn, ob dieser ’ne Vollmacke oder so hätte. Auf Nachfrage erkläre ich zusammen mit Männe die Situation und ernte nur irritiertes Unverständnis. Wir lassen die Sache wutschäumend auf sich beruhen, ärgern uns aber maßlos über so einen Riesenarsch in der Familie. Als ob die anderen nicht schon reichen würden.

Akt 2
Sitzen wieder am Tisch und ignorieren die drei Stooches neben uns. Dreißig Minuten später – man läuft so durch den Saal, auf Klo etc. – gehen die drei an mir vorbei nach draußen. fwF sagt: Tschüss, obwohl sie die Feier gar nicht verlassen. Ich ignoriere ihn und gehe mit einem an M. gerichteten „Tschüß“ weiter. Im Gegensatz zu ihm habe ich nämlich eine gute Erziehung genossen. Mein mentaler Mittelfinger richtet sich jedoch ohne mein Zutun auf.

Eine weitere halbe Stunde später fängt M. mich ab. Sie muss mit mir reden … und fängt an, sich für ihren Scheißkerl von Freund zu entschuldigen: Er wollte nicht pampig sein, er sei normalerweise nicht so, das sei der normale Umgang zwischen ihm und seinen Freunden, alles nur ein Missverständnis, hätten wir völlig falsch aufgefasst, er fühlt sich jetzt scheiße, er will doch keinen Stress mit ihrer Familie, ich soll nicht beleidigt sein etc.
Ich unterbreche sie, sage, dass sowohl Männe, als auch ich weit über das beleidigt Sein hinaus wären und ihn für einen Kotzbrocken hielten und frage, warum er mir das nicht sagt, sondern sie.
Weil sie erst mal die Sachlage klären wolle, meint sie allen Ernstes.

Aha. Na klar.
Erst die große Klappe aufreißen und dann nicht den Arsch in der Hose haben, selbst die Situation zu klären, wenn man jemandem richtig an’s Bein gepisst hat.

Natürlich hat er sich ohne ein weiteres Wort verpisst, obwohl ich ihn minutenlang auffordernd mit Todesblicken durchbohrt angestarrt habe.
So ein flach wichsender Feigling! Damit hat er sich komplett in’s Aus katapultiert. Und da wird er auch die nächsten hundert Jahre bleiben.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

3 responses to “Klappe : Arsch

  • Stadtkatze

    Falls Du meinen Ratschlag hören möchtest (und sonst auch), hier ein Rat, damit Du nicht bei der nächsten Gelegenheit wieder unvorbereitet bist: Ein paar Backsteine in der Handtasche können Wunder wirken. (Die kleinen Taschen-Modelle sehen an uns Vollweibern ja sowieso albern aus für den Beobachter, der erst nach 3 Mal Hinschauen erkennt, dass es sich um eine Clutch handelt, die gerade in der Achselhöhle verschwindet, und nicht Sitznachbars Fiffi.)

    • An Garasu

      Fifi unter der Achsel? Ijitt!

      Aber danke für den Tipp, werde wohl die 9 x 9 Granitsteine aus dem Garten nehmen. Zwei davon passen auf jeden Fall in diese Handtasche und geben ihr damit den richtigen Schwung.

      • Saskia

        Noch ein Nachtrag aus Chrismon:
        „Familienbande: Man muss wirklich nicht gleich alle lieben. Aber ehren bedeutet, zu verstehen, was diese Familie, dieses Paar ausmacht – voll freundlicher Offenheit, mit der nötigen kritischen Distanz. Zum Ehren gehört manchmal auch die Auseinander setzung, will man Konflikte nicht verschweigen, sondern konstruktiv bearbeiten. Letztlich macht es einen selber zufriedener, die ‚Familienbande‘ so zu nehmen, wie sie ist: eine aufregende Gruppe von Persönlichkeiten, die immer wieder neue aufnimmt – einen selbst schließlich auch! Und aus der das Liebste kommt, was man hat – der eigene Mann, die eigene Frau.“
        😉

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