Die Sache mit dem Ypsilon

Heute saßen Männe und ich bei sehr guten Freunden im Wohnzimmer nebeneinander auf dem Sofa. Meine Freundin saß uns gegenüber, ihr Freund, L., stand in der Wohnzimmertür und erzählte Männe von seinem bis jetzt erfolglosen Kampf bei der erneuten Einrichtung seines Druckers auf dem PC. Obwohl er es schon ein Mal geschafft hatte, diesen zum Laufen zu bringen, traten wohl immer noch Probleme auf und er bat um Hilfe. Dazu muss man sagen, dass L. der absolute DAU ist, wie er im Buche steht, und auch nach zehnfachem Erklären der Materie seitens Männe immer noch Bahnhof versteht und alles verkehrt macht. Dazu kommt, dass man seinen verbalen Ausführungen manchmal nicht ganz folgen kann, da sein Hirn häufig schneller ist als seine Zunge und inhaltlich unverständliche Sätze von sich gibt.

Da L. eh auf dem Sprung war, sich eine Zigarette im Gästezimmer zu stopfen, hörte er sich dieses Mal die Erklärung leider nur mit einem halben Ohr an, ging dabei immer weiter rückwärts, um nicht zu sagen, er wich zurück, und verschwand dann absolut unzusammenhängende Satzteile bezüglich des ihm entfallenden Namens eines Hilfstools und anderer nicht themenbezogener Dinge abwesend murmelnd, durch den Flur und ließ uns drei etwas irritiert auf dem Sofa zurück.

Nach zwei Sekunden des perplexen Schweigens seufzte meine Freundin auf, schüttelte den Kopf und sinnierte resigniert: „Naja, immerhin geht er nicht fremd und ist handwerklich geschickt … Am Rest ist das Y Schuld.“
Ich wusste natürlich sofort, was sie meinte, da wir beide uns schon mehrmals über L.s, sagen wir mal, trotteliges stoffeliges etwas simples Verständnis für PCs und die damit zusammenhängend mangelnde verbale Ausdrucksfähigkeit gesprochen hatten, und streckte unbewusst meine linke Hand aus, mit der ich das Knie meines Männe leicht täschelte – mit dem Satz: „Ja, ja, ich weiß, was du meinst.“

War gar nicht böse gemeint, sondern einfach nur ein Reflex, da ich diese seltsam abgedrehten Verhaltensweisen auch von meinem Männe kenne und normalerweise nur mit einem nachsichtigen Lächeln quittiere. Aber manchmal spricht man als Frau eben darüber mit seiner Freundin, um die Erfahrungen diesbezüglich durch den Kakao zu ziehen auszutauschen.

Hätte ich mich in diesem Augenblick doch bloß besser unter Kontrolle gehabt, denn Männes Kopf ruckte sofort zu mir herum und er fragte misstrauisch die Augen gefährlich verengend: „Wieso tätschelst du mich dabei?“
Meine Freundin J. setzte natürlich gleich leicht stotternd zu einer Erklärung an und klang nicht wirklich überzeugend: „Äh, öhm, das ist so ’n interner Spruch zwischen mir und A.“
Das überzeugte Männe natürlich in keinster Weise und er warf mir einen weiteren Blick zu. „Aha, ein interner Spruch. Und welcher?“
„Hat mit dem Unterschied zwischen X- und Y-Chromosom zu tun. Würde jetzt zu weit führen, das zu erklären …“, fange ich an und werde den Göttern sei dank von J. mit der Aussage „Ich will auch eine rauchen. Kommt ihr mit raus?“ unterbrochen, bevor Männe auch nur Ansatzweise begreifen kann, dass wir Frauen unsere Partner in solchen Situationen nur auf ihre Y-Chromosomen reduzieren.

Es gibt Schlimmeres als das, finde ich.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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