Bäumchen wechsel Dich

Wer mich kennt weiß, dass ich sehr früh vor Heiligabend einen Tannenbaum kaufe und auch aufstelle. So ca. eine knappe Woche vorher schon. Das kommt daher, dass ich vor einigen Jahren die Tradition von meiner Freundin J. übernommen habe, den Baum und „den Mief vom alten Jahr“ schon am 1. Januar rauszuwerfen. Und da sonst der Weihnachtsbaum nur eine gute Woche stünde, darf er eben schon etwas früher bei uns einziehen, als bei den anderen.

Das heißt also, dass ich dieses Jahr gerne schon am Donnerstag losgezogen wäre, um mir einen schönen, kleinen Nordmann auszusuchen. Doch da ich in der Woche erst dann von der Arbeit nach Hause komme, wenn es schon fast dunkel ist, hat Männe dieses Mal die Sache in die Hand genommen, da er schon Urlaub hat und damit auch Zeit. Er hat zwei Bäume zurücklegen lassen, die ich mir dann gestern nach der Arbeit mit ihm zusammen im Hellen angesehen habe und von denen seine zweite Wahl meine erste war und damit auch prompt gekauft wurde.
BämBämBäm. So schnell hatten wir noch nie einen Weihnachtsbaum ergattert.
Denn wenn  wir zu zweit losziehen, dauert der Kauf etwa eine halbe Stunde und läuft so ab:

Ich gehe zielstrebig zu der sauber aufgestellten Reihe mit den Bäumen, die nicht größer als 130 cm sind, begutachte alle mit einem wissenden Blick und suche mir drei bis vier Exemplare, die schön gleichmäßig kugelig gewachsen sind und bei dem man den Stamm nicht zu sehr sieht. (Nichts finde ich an einem Baum schrecklicher, als Astetagen, in denen ich die Katzen am Schwanz aufhängen könnte und ihre Pfoten trotzdem nicht die nächste Astreihe berühren. Und das bei Maine Coons.) Stelle sie nebeneinander hin, um sie später zusammen mit Männe zu vergleichen und den schönsten davon auszusuchen.
Männe hingegen stellt sich in die Mitte des Platzes, geht zu dem ersten Baum, der seinen Weg kreuzt und so groß ist wie er selbst, stellt ihn gerade hin, lässt einen prüfenden Blick von oben nach unten gleiten und ruft mir siegessicher im Brustton der Überzeugung zu: „Hey, Frau! Den nehmen wir! Wir können wieder nach Hause fahren.“

Frau geht brav zu Männe, weiß aber schon vorher, wie der ausgewählte Baum aussieht, da sie im Vorbeigehen ebenfalls einen Kennerblick darauf warf und diesen Baum damit auch gleich verwarf. Viel zu groß, viel zu unförmig, viel zu viel Stamm. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich aber auch, dass ich jetzt behutsam vorgehen muss, um nicht einen grandiosen Streit vom Zaun zu brechen, der das gesamte Weihnachtsfest sprengen könnte.
Also schaue ich mir den Baum an, gehe einmal drum herum, wackel ein bisschen an den Ästen und stelle mich auf die Zehenspitzen, um zu sehen wie weit meine Hand an die Baumspitze reicht.
„Der Baum ist wirklich schön“, sage ich anerkennend, „aber leider ein bisschen zu hoch für mich. Da wirst Du mir ab der Hälfte beim Schmücken helfen müssen.“
Männes überlegenes Lächeln friert kurz ein, dann legt er den Baum hastig wieder hin: „Haste auch wieder Recht. Ich glaube, da hinten sind noch kleinere.“
Sagt’s und stiefelt genau auf die Reihe der Bäumchen los, die ich vorher sorgsam ausgesucht und präpariert habe.
Innerhalb der nächsten zehn Minuten wird jeder dieser Bäume zwei Mal umgedreht, auf Harz und Nadeln geprüft und eine gemeinsame Entscheidung getroffen, bei der ich dann auch gerne mal nur meine persönliche zweite Wahl nehme, da Männe einen anderen der vier Kandidaten besser findet. Aber damit kann ich leben.

Und so, liebe Ehefrauen und auch Ehemänner, kann das Weihnachtsfest gerettet werden.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

2 responses to “Bäumchen wechsel Dich

  • Inch

    Hat mir, als ich Teenie war, ein Onkel gegeben, den guten Rat, mich genau so zu verhalten, wie Du es beschrieben hast. Nämlich Männe das Gefühl geben, dass ER die Entscheidung, die FRAU schon lange vor ihm gefällt hat, getroffen hat 😀
    Einer der zwei besten Räte (?), die ich zum Thema Mann-Frau, Frau-Mann, je erhalten habe

  • AnGarasu

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich meinem Männe dieses Gefühl nicht freiwillig geben will. *hüstel*

    Ich hatte einfach nur keine Lust mehr, jedes Jahr die gleiche abgefuckte Diskussion zu führen, die wir deswegen in den ersten sechs Jahren hatten, als wir zusammen gezogen waren. Damals haben wir nämlich am 23. Dezember den Baum aufgestellt und somit erst einen Tag vorher gekauft. Die Streitereien deswegen haben noch tagelang geschwelt. Irgendwann habe ich es mal mit meiner jetzigen Taktik versucht und prompt Erfolg gehabt.
    Leider hat mir nie jemand vorher so gute Ratschläge gegeben, wie ich mit einem Mann klug umgehen muss, wie Dir. Musste ich alles selbst rausfinden. Vielleicht sollte ich mal einen Ratgeber á la „Wie lasse ich meinen Mann einen echten Mann sein“ schreiben, oder so. Muss ich ernsthaft drüber nachdenken. 😉

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