Mettauge, Teil 2

Nach drei Tagen war das Auge der Weißen immer noch nicht besser. Stattdessen fing es nun auch noch an zu tränen und die Nickhaut zog sich zur Hälfte über den Augapfel. Zeit, die Katze einzupacken und zur TÄ zu düsen. Natürlich machte das die ganze Sache noch schlimmer. Eventuell ein Tumor im Auge, auf jedenfall etwas, was dort nicht hineingehört.
Ok, jetzt gab’s wirklich Grund zur Panik.

Als nächste Station mussten wir zu einem Spezialisten, einem Tier-Augenspezialisten, der leider erst zwei Tage später wieder in der Klinik war, die wiederum fast 70 km entfernt liegt. Aber was macht man nicht alles für sein Kind, äh … Haustier. Also Männe gebeten, mit mir hin zu fahren, den Tag dann früher Feierabend gemacht, da die Fahrt eine Stunde dauert und ein zweites Handtuch eingepackt, falls die Katze unterwegs undicht wird.
Bei starkem Schneegestöber und der Katze im Transporter auf dem Schoß haben wir diese Stunde alle drei ziemlich schweigend verbracht. Die Phantasie malte uns Menschen jedenfalls das Schlimmste in dunkelsten Farben auf die Netzhaut. Da die Weiße es immer hasst, im Transporter eingesperrt zu sein, war ihre Laune sowieso im Keller.
Als wir endlich ankamen, musste ich auch noch einen Fragebogen ausfüllen und in einem Wartezimmer Platz nehmen, in dem eine riesige Voliere drei ebenfalls riesige Leguane beherbergte. Echte, lebende Leguane. Ok, die waren in diesem Moment ziemlich lethargisch und dösten im Wachkoma unter ihrer Höhensonne, waren aber trotzdem noch beeindruckend. Die halbe Stunde bis wir dran kamen, wurde entsprechend sinnvoll von uns genutzt, indem wir mit allen möglichen Tricks versuchten, die Viecher zu einer Bewegung zu animieren. Wurde natürlich nix. Ignoranten!

Die Untersuchung ging dann erstaunlich fix und kostete für nicht mal drei Minuten mal eben schlappe 65 Euronen. (Was für ein Stundenlohn, den hätte ich auch gerne.)
Fazit: Katze hat sich das Genick geprellt und damit einen Nerv im Nacken eingeklemmt, der für die Bewegung des Augapfels und der Pupille zuständig ist. Nix Schlimmes, ist im Auge selbst auch nix zu erkennen, hat sich die TÄ wohl verguckt.
Der beste Satz des Abends, auf die Frage Männes, ob die Katze denn damit raus dürfte: „Klar. Deswegen muss sie nicht krankgeschrieben werden.“ Ich mag diesen Arzt …

Eine Vitamin-B-Spritze später sind wir auch schon wieder draußen und können mit dem Viech und 65 Euro weniger in der Tasche nach Hause fahren. In zwei bis sechs Wochen soll sie dann auch keine Zombie-Katze mehr sein, sobald sich der Nerv wieder voll erholt hat.

Manchmal wünschte ich, ich hätte normale Kinder.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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