Psycho in pink

ACHTUNG, ACHTUNG!
DIES IST EINE WARNUNG!

Wer eine Supermom mit Töchtern ist
UND auf die Farbe Rosa steht,
sollte JETZT weglesen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!


Ich weiß nicht recht, wie ich beginnen soll, aber das folgende Thema hat mich so unerwartet überrumpelt, dass ich das jetzt leider stante pede verbloggen muss, weil sonst mein Gehörn mit einem feuchten BLUBB aus Nase, Augen und Ohren spritzt.

Schon beim Schreiben der Überschrift zeigte sich mir allerdings bereits mein tief verwurzelter Unwille, meine Finger überhaupt gen dieses heißen Eisens auszustrecken, da ich selbst keine Kinder und schon gar keine Töchter habe – denn statt „pink“ schrieb ich direkt „punk“, was damit eigentlich schon alles erklären sollte, meine ich. (Nichts gegen Rosa bzw. Pink an sich, in meinem Fall nenne ich es Magenta, denn es gibt sehr schöne Töne in diversen Abstufungen, mit denen man ganz wunderbar Farbakzente setzen kann. Gerade im Vintagebereich liebe ich z.B. als Eyecatcher Alt-Rosé.) Dennoch habe ich auch als kinderloser – und darkerthanblack Goth- und Metallbevorzugender – Mensch ein gewisses farbästhetisches Empfinden, was nicht nur allein meiner Berufswahl des Mediengestalters für Printmedien geschuldet ist. D.h. ich muss also tagtäglich mit diversen Farbspektren arbeiten, deren Abstufungen deutlich mehr als nur „Fifthy Shades of Black“ enthalten. Aufgrunddessen denke ich schon, dass ich, was die elementare Farbwahl eines Kinderzimmers angeht, eine doch recht professionelle Meinung vertreten kann, ohne dass meine Eierstöcke samt Uterus dabei involviert sein müssen. Denn immerhin teilt sich seit bereits über 30 Jahren die Bevölkerung allein durch aggressiv-suggestive Farbwahl in zwei verfeindete Lager, die anscheinend nie darüber hinwegkommen werden, dass es nunmal auf diesem Planeten zwei* verschiedene Geschlechter bei den Menschen gibt. Und das mit gutem Grund, den ich ja wohl nicht weiter auszuführen brauche.

Aber warum, in aller Götternamen, muss man als moderne Mutter der heutigen Zeit, mit mehreren Söhnen, der einzigen Tochter bereits in der Wiege – im wahrsten Sinne des Wortes – das rosarote Prinzessinnen-Gen einimpfen? Reicht es denn nicht, dass sie allein durch den Besitz weiblicher Primär- und Sekundär-Geschlechtorgane schon genug in dieser Gesellschaft um Anerkennung und Respekt kämpfen werden muss, um beruflich halbwegs Erfolg und selbstständige finanzielle Sicherheit haben zu können? Muss man ihr denn unbedingt noch im Kreissaal einen Zauberstab mit Feenglitzer in die Hände und auch noch die romatische Verklärung eines Märchenprinzen mit strahlender Rüstung als Lebensziel ins Gehirn drücken?
Was ist bloß passiert, dass manche erwachsene Frauen zu ihrem inneren achtjährigem Mädchen zurückmutieren und im Kinderzimmer alles, alles, alles in rosarot dekorieren? Das arme Kind wird doch farbenblind! Und das nicht nur im Okular-Bereich.

Früher™ war zwar nicht alles besser, so verklärt sehe ich meine Vergangeheit nun auch nicht, aber ich kann mich an kein Kinderzimmer meiner Mitschülerinnen etc. erinnern, in dem der gesamte Bereich eines Baumarktes explodiert ist, welcher das alleinige Lager für rosa Wandfarbe beinhaltet hatte: jedes von den 50 Püppchen pink, Bettwäsche rosé, Gardinen, Teppich, Decke, Wände hellrosa mit Punkten oder Streifen in weiß, Kuscheltiere schweben in pinken Ballons herum, die Kissen sind rosa gepunktet und geblümt, Möbel in crème mit pink und rose gestrichen, hellrosa Geranien wachsen im Topf, das obligatorische Puppenhaus ist weiß und rosa, die zukunftsweisende Kinderküche (mit Waschmaschine und Backofen !!!) ist natürlich – richig geraten – zartrosé … ich könnte endlos weiter aufzählen.
AAAAARRRRGGGGGHHHHH!!!! Diese Versinnbildlichung zukünftiger weiblicher Aufgaben im Leben, die hier schon wie naturgegeben daherkommen! Isch krieg Krätze!
Das muss doch früher oder später auf das Gemüt und die Seele eines kleinen Mädchens schagen. Kein Wunder, dass die alle noch mit 25 Jahren Topfmodell, Prinzessin oder professionelle Ehefrau sein wollen und auf die schimmernde Rüstung am Traumprinzen warten. Darin spiegelt es sich doch am Besten oder? Mirror mirror on the wall who is the fairest one of all … Das Pferd ist doch nur noch bloße Dreingabe, kümmert sich doch eh jemand anderes drum.

Alle jammern über diese verweichlichte Generation, die beruflich und sozial auf keinen grünen Zweig kommt. Woran liegt das wohl? Natürlich an der Gesellschaft an sich. Und zu dieser Gesellschaft gehören auch Frauen, die genau dieses Klischee schön an die nächste Generation weiter geben. Ich bin mit einer Mutter großgeworden, die zu den Feministinnen der 1. Generation gehörte. Ich weiß also, wovon ich spreche. Alice Schwarzers Portrait hatte quasi einen Ehrenplatz an der Schlafzimmertür meiner Mutter. Mit 15 musste ich diese Buchreihe von der Büchergilde Gutenberg lesen, die das Frauenbild durch die Jahrhunderte hindurch beschrieb. Bin zum Leidwesen meiner Mutter trotzdem keine Kampf-Emanze geworden. Aber dennoch finde ich es unmöglich, kleinen Mädchen von Anbeginn ihrer Zeit an einzuimpfen, dass es erstrebenswert sei Ehefrau, Fee oder Prinzessin zu werden. Da läuft doch gehörig was schief in unserer Gesellschaft.

Ja, ich weiß, das hier ist alles viiiel zu simpel gedacht; ich bin doch sowieso unqualifiziert, weil ich keine eigenen Kinder habe; außerdem geht mich das gar nichts an, was andere machen; leben und leben lassen; blablabla, schon klar. Muss sich jetzt auch keiner drüber aufregen, weil ich damit niemanden persönlich bloßstellen und hier auch keine ellenlange wissenschaftliche Abhandlung über das Gender-Gedöns und heutigen Feminismus schreiben will, sondern einfach nur meine persönliche, spontan hervorgerufene Frustration bezüglich übertriebenen Farb- und Geschlechterwahns mancher Mütter in meinen virtuellen vier Wänden zum Ausdruck bringe. Liest ja hier eh kaum jemand.


Wie ich überhaupt auf diese Thematik gekommen bin, wenn ich schon keine bekennende Feministin bin? Nunja, manchmal habe ich gewisse Zuckungen in den Händen, was gerne dazu führt, dass der Mauszeiger manchmal dorthin wandert, wo er nichts zu suchen hat. Wenn dann auch noch der Zeigefinger rumspinnt, kommt es vor, dass ich mich beim Anwählen von Links verklicke. Und dadurch dorthin gelange, wo noch nie eine Frau mit ästhetischem Farbempfinden gewesen ist …

 

 

* Ich klammere an dieser Stelle bewusst das Thema „Intersexualität“ aus, da es viel zu komplex ist, um in einem Frustartikel über einen Kamm mit der geschallschaftlich praktizierten Farbwahl für Mädchen und Jungs geschoren zu werden. Ich gehe hier wirklich bewusst naiv und unwissenschaftlich differenziert nur vom Prinzip des Männlichen und Weiblichen beim Menschen aus, da das das evolutionäre Konzept der Natur für die Fortplanzung unserer Spezies ist, und ich bestimmt keinen wissenschaftlichen Disput vom Zaun brechen will.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

10 responses to “Psycho in pink

  • stadtkatze

    Zu Ostern gibt’s für Dich Zwangshandschuhe, damit das mit den Fingern nicht wieder vorkommt! Wer weiß, was Du sonst noch alles aus Versehen ausgräbst…
    Ein Gedanke aber noch zu „dass es nunmal auf diesem Planeten zwei verschiedene Geschlechter bei den Menschen gibt“: http://www.zeit.de/online/2009/35/intersexualitaet.

    • AnGarasu

      Ja, das wusste ich natürlich auch mit der Intersexualität usw. aber dieses Thema wollte ich jetzt hier nicht auch noch ausrollen. Immerhin hat dieses 3. Geschlecht noch keine eigene Genderfarbe, über die es zwangsdefiniert wird. 😉

  • Helma Ziggenheimer

    Nun, ich persönlich finde ja, dass die Thematik „Intersexualität“ jetzt gar nicht so wirklich mit dem zusammenpasst, was Du hier beschrieben hast. Oder habe ich heut Morgen zu… beschränkt gedacht? Dann verzeih mir dies 😉
    Nichtsdestotrotz musste ich doch ziemlich lachen, weil mir beim Lesen spontan jener Spruch einfiel, den ich sinngemäß so vor kurzem irgendwo bei FB gelesen habe: „Da rufen die Leute ständig Gutschi Gutschi in den Kinderwagen und dann wundern die sich, dass die Mädchen den Scheiß später auch haben wollen.“
    Du weißt ja, dass ich die Welt mit zwei Jungs bereichert habe, aber selbst mit einer Tochter hätte ich das Zimmer nicht rosa, nicht pink gestrichen und etwaige Prinzessinnen-Gebaren gar nicht erst zugelassen. Mich gruselt es bei sechsjährigen Neunmalklugen, die ganz geziert sprechen und nur in weißen Strumpfhosen mit Lackschuhen anzutreffen sind. Und wo ich richtig das Schreien kriege, sind diese Veranstaltungen der Amis, wo die kleinen Mädchen zu irgendwelchen Prinzessinnen aufgebrezelt werden, damit sie einen Schönheitspreis gewinnen. Ein einziges Mal habe ich mir so eine Sendung anschauen wollen, weil mich deren Mütter interessierten: Ich musste dann abschalten. Diese Mütter konnte ich einfach nicht ertragen, wirklich, das ist nicht auszuhalten. Da fragt man sich wirklich, was bei denen schiefgelaufen ist, dass die das ihren Töchtern antun.
    An der Stelle danke ich meiner Mum wirklich von Herzen, dass ich in dem Alter in Krachledernen in Bäume klettern konnte. Und heute bin ich trotzdem eine echte Frau.

    • AnGarasu

      Bin gerade etwas verwirrt. Das Thema Intersexualität habe ich in diesem Artikel doch gar nicht angeschnitten und das war auch nie meine Absicht. Dieses Thema ist einfach zu komplex, um mir als nicht betroffener Mensch anmaßen zu können, so larifari darüber ein Urteil zu fällen. Sowohl die betroffenen Kinder als auch die Eltern haben es wirklich sehr schwer, da eine Entscheidung fällen zu müssen, denn hier in Deutschland gibt es das 3. Geschlecht leider noch nicht offiziell. Das würde für diese Menschen allerdings vieles erleichtern, wenn die Eltern nicht schon im Babyalter entscheiden müssten, als was ihre Kinder später durchs Leben laufen müssen.
      Mir ging es in erster Linie einfach nur um das genderbedingte Farbsplitting für Jungs und Mädchen im Allgemeinen und um dessen besonders extreme Auslebung der einen Mutter im Besonderen, die das auch noch stolz auf ihrem Blog in gefühlten 60 Detailaufnahmen veröffentlicht. Das hatte mich einfach kalt erwischt, weil ich in diesem Moment nicht auf diesen rosaroten Tsunami vorbereitet war … „Ugly in pink“ hätte es vielleicht auch noch getroffen. (Und wieder schrieb ich zuerst „punk“. Kannste mal sehen. 😉 )

  • Anna

    Ich habe fast 43 Jahre benötigt, um mich mit der Farbe Pink anzufreunden. Aber jetzt, so kurz vor der Midlifecrisis läuft es. Schau dir meinen Gravatar an, der sagt alles. *g* Was er jedoch nicht sagt, weil WP das nicht toleriert und ich das Bild „straffen“ musste, die Tasse hat auch nen Schriftzug. „Queen of f*ucking everything“. So mag ich Pink. :mrgreen:

    • AnGarasu

      Ich mag Pink auch, hat zwar genau wie bei Dir etwas gedauert, aber für dezente Akzente bzw. Eyecatcher ist diese Farbe in allen Abstufungen wunderbar zu gebrauchen. Wenn allerdings 95 % eines einzigen Raumes pink, rosa und rosé ist, flasht mich das leider direkt bis zur Bewusstlosigkeit …

  • Ela

    Mein Neffekind liebt rosa total, da flippen immer alle aus, wie man dem Bub sowas schenken kann und ob man nicht lieber mal alles in blau umwandeln sollte.
    Nein, muss man nicht. Er ist ein süßer Knirps und er hatte durchaus schon eine gelbe Phase. Also ruhig lassen und machen lassen.
    Liebe Grüße Ela

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