Beltaine • Walpurgis • Tanz in den Mai

Gestern Nacht war es wieder soweit: Eine Mischung aus verschiedenen jahreszeitlichen Festen wurde feucht-fröhlich gefeiert. Und gingen mal wieder sang- und klangslos an mir vorbei.

Während ich Samhain ja sehr gerne selbst exzessiv zelebriere (den meisten Unwissenden ja besser bekannt als „Halloween“ oder „All Hallows Eve“, der Abend vor Allerheiligen), war Beltaine für mich seit jeher ein Ereignis, das immer ereignislos für mich blieb. Juhu, der Mai ist gekommen – das war’s dann auch schon.
Wer Alle, die mich hassen gelesen hat, wird vielleicht erahnen können, warum das so ist.

Bei uns im Dorf gab es wie in sehr vielen anderen ländlichen Gegenden den Brauch, für ein beliebtes junges Mädchen / eine beliebte junge Frau einen Maibaum (junge Birke) zu schlagen und ihn ihr vor das Haus bzw. ihr Fenster zu stellen. Unbeliebte weibliche Personen bekamen stattdessen einen Kiefern- oder Tannenzweig präsentiert. Da wusste man am nächsten Morgen wenigstens auf humorvolle Weise, dass man im nächsten Jahr etwas freundlicher zu den Dorfjungs sein sollte.

Tja. Bei mir stand nie ein geschlagener Baum vor dem Fenster. Weder Birke noch Kiefer. Ich habe zwar immer die Maibäume an den Häusern am nächsten Tag lehnen sehen, aber mir war bis ich 16 Jahre alt war nie bewusst, warum das überhaupt so war! Seltsamerweise hat mich das auch nie wirklich interessiert: Zuhause sprach niemand darüber, meine Brüder machten diesen „dämlichen dorfjugendlichen Firlefanz“ eh nicht mit (ihre Worte) und ich hielt es einfach nur für einen netten Brauch, sein Haus für den Mai zu schmücken, ähnlich wie für Weihnachten. Irgendwann fragte ich dann allerdings doch mal jemanden (wen weiß ich gar nicht mehr) und der erklärte mir den Grund dafür. Als ich ihm dann ahnungslos erzählte, dass ich nie einen Baum egal welcher Art vor meine Tür bekommen hatte … nun, ich werde den mitleidigen Gesichtsausdruck nie vergessen.

Um es kurz zu machen: Ich begriff im gleichen Augenblick, dass ich der Dorfjugend noch nicht mal die Mühe wert war, mir eine Kiefer zu bringen.

Als ich das an einem 30. April vor ca. 15 Jahren Männe erzählte, der in seiner Jugend sehr aktiv war, was das Maifestliche Baumschlagen anging (Da wurde auch schon mal aus Versehen und im Eifer des allerersten Alkohol-Gefechtes eine Birke mit einem Stammumfang von 1,5 Metern gefällt, die man dann mit dem Trecker aus dem Hain ziehen musste. Das war das erste und einzige Mal, dass Männe sturzbetrunken war. Danach schwor er den Rest seines Lebens dem Alkohol zu fast Hundertprozent ab.), war er echt entsetzt. In seinem Dorf bekam jedes Mädchen seinen Baum, egal wie unbeliebt es war. Das gehörte sich einfach. Überhaupt keinen zu bringen, war unerhört.

Am nächsten Morgen lehnte plötzlich, gut sichtbar für die ganze Nachbarschaft, eine stattliche junge Birke an unserem Haus und ich hatte das erste Mal deswegen Tränen in den Augen.

Daran denke ich jetzt immer, wenn ich am 1. Mai morgens aus dem Küchenfenster sehe, obwohl seitdem nie wieder ein Baum davor gestanden hat. Dieses eine Mal wird aber auch für alle noch kommenden 1. Mai-Tage meines Lebens reichen. Man muss es ja auch nicht gleich übertreiben – ich bin ja auch nicht mehr jung, nicht wahr? 😉

Der benachbarte Bauer hat Gott sei dank nie herausgefunden, welcher von den jugendlichen Dorflümmeln seine mühsam gepflanzten Birken gerodet hat.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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