Projektstau

Nachdem der Mittwoch für die nächsten 3,5 Wochen mein letzter Arbeitstag war und er mit totaler Erschöpfung und Tränen endete, bin ich heute erst so laaangsam mal im Urlaubsmodus.

Die Pergola kam tatsächlich am Mittwoch nach einem nervenaufreibenden dreiwöchigen Hin und Her, mit 3 Stunden Verspätung und einer Überraschung an, die bei Männe zu sofortiger Explosion führte, die ich unerwarteter Weise in voller Breitseite abbekam: die Wand- und Querpfette sind keine durchgehende 4 Meter lange Balken, sondern jeweils in 2 Meter Stücke gesägt worden.

Dra-ma, Ba-by, Dra-ma!

Was bei mir nur zu einem aus Gleichgültigkeit heraus geborenen Schulterzucken geführt hatte, führte bei Männe zu einem Trara, das seinesgleichen suchte. Es endete damit, dass er mich persönlich dafür verantwortlich machte, so als ob ich die Kettensäge selber geschwungen hätte. Was ich mir in diesem Augenblick tatsächlich wirklich sehr, sehr wünschte. Dann wäre nämlich endlich wieder Ruhe gewesen, nachdem Männe sich in den letzten 6 Monaten (!!!) – trotz meiner sehr oft wiederholten Aufforderungen, mal was dazu zu sagen oder meine Planung wenigstens auf technische Machbarkeit zu überprüfen – völlig desinteressiert aus diesem Projekt rausgehalten hatte. Nur um sich seit 7 Tagen vor Aufbau, die ganze Zeit völlig unqualifiziert einzumischen (die Stabilität sei ein Witz, das würde voll hässlich aussehen, was habe ich mir bloß dabei gedacht, da muss sich nur ein Kind gegen lehnen, da bricht doch alles gleich zusammen, wieso haben die die Balken zweigeteilt, dass kann doch nicht sein, da muss ich gleich anrufen und mich beschweren, wieso habe ich so einen Scheiß gekauft, nur weil ich zu geizig bin, er hätte das total anders gemacht, besser durchdacht, noch gewartet, erstmal verschiedene Sachen angeguckt, bevor er sich für den erstbesten Schrott entscheidet …), und an diesem Tag wirklich alles über den Haufen zu werfen und mich in einer Art und Weise blöde von der Seite anzumachen, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste, als heulend meinen Bruder, den Tischler, anzurufen, damit er den ganzen Schlammassel begutachtet und als Profi bewertet, weil ich einfach nicht mehr gegen die Tobsucht Männes ankam.
Der kam dann auch gleich am nächsten Vormittag auf seinem schwarzen Roß aus Stahl und Eisen angeritten, um dem bevorstehenden Kettensägenmassaker heldenhaft Einhalt zu gebieten die Einzelteile der Pergola fachmännisch in Augenschein zu nehmen.

Fazit: Alles halb so schlimm.
Die Stabilität leidet in keinster Weise unter der Zweiteilung der Balken. Optisch sei das allerdings eine Geschmacksfrage. Wenn erstmal alles miteinander verschraubt ist, steht das Ding stabil auf dem Holzdeck, so wie ich mir das auch gedacht hatte. Als einzige Ergänzung wird noch eine übrig gebliebene Latte quer unter die Standpfosten auf das Deck geschraubt und eventuell eine Brüstung zwischen diese Pfosten, falls Männe noch Bedenken wegen der Stabilität haben sollte.
Sei doch alles gar kein Ding. Wieso regt Männe sich denn so auf? Besteht doch gar kein Grund dafür. Warum wir Bruder denn nicht mal um Rat gefragt hätten, er hätte uns doch gerne bei der Planung geholfen.

Tja, was sollte ich meinem Bruder da sagen? Dass Männe die letzten 12 Monate keinen Bock hatte, sich dem diesem Thema zu befassen? Dass er jedes Mal, wenn ich ihm einen Vorschlag dazu machte, das Ganze auf später verschob? Dass ich schließlich nach über 9 Monaten des Desinteresses die Schnauze voll hatte und wollte, dass diese Jahr ein vernünftiger Schattenspender auf die neue Terrasse kommt und nicht erst nächstes oder übernächstes? Dass ich in meinem Jahresurlaub nicht nur unter einem 3-Meter-Sonnenschirm, der nur sehr begrenzt Schatten wirft, dicht an die Wand gequetscht sitzen wollte, sondern frei auf dem tollen Holzdeck, das wir seit einem Jahr haben? Dass ich schließlich frustriert alleine die Entscheidung gefällt, Männe vorher aber natürlich genau erklärt habe, was ich da kaufe und er nur mit den Schultern zuckte und seine Hälfte stumm bezahlte? Dass er gestern aber so ausflippte, dass ich ihn am Liebsten mit den Pfetten erschlagen hätte?

Nein, das sagte ich alles nicht. Denn wir tragen unsere Kämpfe nicht vor der Familie aus. Stattdessen sagte ich lahm, weil ich dachte, Bruder hätte so viel zu tun, dass ich ihn mit sowas nicht nerven wollte.
Hätte ich mal bloß …

Das Ende vom Lied: Dieses Wochenende wird das auch nix mit dem Aufbau, weil Bruder die drei Pfosten erst noch unten für die neue Halterungen, die Männe nun unbedingt haben wollte, zurecht fräsen muss. Dass kostet wieder Zeit. Und bei meinem Glück ist das Wetter nächste Woche so schlecht, dass die Pergola nicht aufgebaut werden kann.

Ich muss gestehen, inzwischen habe ich keinen Lust mehr auf das Ding.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

5 responses to “Projektstau

  • Helma Ziggenheimer

    Oh man(n)… Schade, dass es so ausgeartet ist. Ich wünsche Dir trotzdem, dass alles vergessen ist, wenn das Teil steht, Euch den gewünschten Schatten spendet, während Du einen gut gekühlten Cocktail schlürfst und Du froh bist, dass Du hier doch die Zügel in die Hand genommen hattest.
    Immerhin hatte Männe ja seine Chance, sich vorher bei allem zu beteiligen, da kann man sich hinterher kluge Sprüche oder eben verbale Attacken sparen.

    • AnGarasu

      Joa, irgendwie wird das schon werden. Immerhin habe ich heute wenigstens schon mal angefangen die Teile, die noch hier sind, zu streichen. Sobald mein Bruder mit den anderen fertig ist, werden die auch noch angepinselt und dann wird der Schrott aufgebaut.
      Ist ja nicht das erste Mal, dass Männe und ich uns im Laufe größerer Projekte gegenseitig umbringen wollen. Hat quasi schon fast Tradition. Nächstes Jahr beim Renovieren des Wohnzimmers wird das auch wieder passieren. 😉

  • Stadtkatze

    Eieiei, das wäre ja nicht auch noch nötig gewesen, nachdem das Dich vorher schon so viel Nerven gekostet hat! Ehrlich gesagt, klingt Männes Reaktion so, als wolle er gar keine stationäre Lösung für Euer Schattenproblem und hätte gehofft, dass das Thema irgendwann in Vergessenheit gerät…

    • AnGarasu

      Ach, der spinnt derzeit einfach! Im Moment nervt den sein Knie voll ab, weil der letzte Rest einfach nicht besser werden will (er natürlich aber auch nicht mal ne Woche ruhig liegen kann, wie es im der Doc verordnet hat).
      Außerdem ist ihm das ganze Ding zu „billig“ und zu klein. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir jetzt eine Art Wintergarten mit Glasdach und elektrischer Markise drunter stehen … Genau das wollte ich aber auf keinen Fall! Wenn ich im Garten sitze, brauche ich doch kein festes Dach über dem Kopf! Ich will Wind und Sonne spüren können, die offene Weite über und neben mir. Ansonsten könnte ich ja auch einfach die Terrassentür aufmachen und im Wohnzimmer sitzen bleiben. Außerdem ist das hier nur eine Mietwohnung, da stelle ich mir doch keine 3000 Euronen fest installiert in den Garten. Auch da wir im Moment eh noch nicht wissen, ob wir wirklich noch die nächsten 10 Jahre hier sind. Das wäre doch völliger Quatsch.
      Ich habe ihn jedenfalls soweit, dass er sich meinem Willen beugt (klingt etwas melodramatisch und auch ein bisschen nach BDSM *gnihihi*), und das Ding nächste Woche endlich aufstellt. Ich bin ihm in ein paar Kleinigkeiten entgegen gekommen und jetzt soll er endlich die Klappe halten! Punkt.

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