Nachts die Angst

Es ist gerade 4 Uhr 2. nachts bzw. für einige schon morgens.

Seit 3 Uhr 24 bin ich schon wach. Wegen eines Albtraums, der den letzten um Längen geschlagen hat. Natürlich handelte er auch von der Firma und meinem Meister. Er war so real, dass ich nach dem schweißgebadetem Hochschrecken 15 Minuten brauchte, um mich aus dem Postalbtraum-Dämmerzustand, in dem man noch halb in der Traumwelt gefangen ist und dieses lähmende Gefühl nicht abschütteln kann, herauszukämpfen und aufzustehen.

Jetzt sitze ich auf dem Sofa, nachts/morgens um 4, und lasse mir von meinen Zweifeln, ob ich wirklich derzeit beruflich und gesundheitstechnisch alles richtig mache, eine Scheißangst einjagen.

In den letzten Tagen habe ich für mich endlich herausgefunden, welche berufliche Alternative zur Mediengestalterin es vielleicht geben könnte, mittel- und langfristig gesehen. Ich habe sogar schon mit Männe darüber gesprochen — er ist demgegenüber tatsächlich auch nicht ganz so skeptisch eingestellt, wie ich befürchtet hätte — und habe vorsichtige Pläne für den Anfang entwickelt, um damit erstmal als Nebengewerbe langsam ein zweites Standbein aufzubauen, das sich später mehr oder weniger dann zur Hauptsäule entwickeln soll, wenn alles einigermaßen gut läuft. Für eine Testphase habe ich sogar schon die ersten Materialien günstig bei den Kleinanzeigen gefunden und geordert. Mit dem ganzen Thema an sich habe ich mich schon länger beschäftigt, da es mir schon seit meiner Jugend liegt, und deswegen sogar schon ganz leise Hoffnung geschöpft, dass ich damit beruflich vielleicht doch noch — wenn schon nicht glücklich — dann wenigstens wirklich zufrieden werden könnte. So in den nächsten 5 bis 25 Jahren. Wenn ich es gestemmt kriege, es wirklich Erfolg hat und damit finanziell einigermaßen stabil läuft. Wenn, wenn, wenn … Und da kommen die nächtlichen Zweifel ins Spiel.

Tagsüber stürze ich mich seit ein paar Tagen mit Freude, Hoffnung und Enthusiasmus in die ernstgemeinte konzeptionelle Entwicklung dieses Standbeines und beziehe sogar schon die Zeit in der REHA mit ein, um erstens die Langeweile in der Freizeit dort zu gekämpfen und um zweitens schon mal einen kleinen professionellen Testballon vorzubereiten, den ich schon in der Weihnachtszeit starten will. Mir kommen tausend kreative Ideen in den Kopf, die ich gewissenhaft abschätze, verfeinere und ins Detail vorplane, damit sie sich später alle zu einem Gesamtkonzept entwickeln können, das wirklich Erfolg haben könnte. Ich stehe zwar noch ganz am Anfang, doch ich könnte mir wirklich, wirklich vorstellen, dass mein Konzept eine reele Chance hat, wenn ich mich in den nächsten Jahren da voll reinkniee und vielleicht sogar jemanden finde, der das mit mir zusammen weiter aufziehen würde. Erstmal nur als einen kleinen Online-Vertrieb über einen Dawanda-Shop o. ä., für den ich mir Zeit für die dazu nötige Heimarbeit frei schaufele, indem ich mir einen neuen Teilzeitjob suche, um von dieser seelenfressenden Firma wegzukommen. Danach dann vielleicht sogar eine kleine Werkstatt, um mehr Produkte herzustellen, die ich teilweise über schon bestehende Ladengeschäfte anbieten könnte (da kenne ich sogar schon 2, die das machen würden) und zum Schluss vielleicht sogar ein eigener kleiner Laden in einem Resthof, den Männe und ich kaufen, inkl. Online-Vertrieb. Was wäre das für ein Traum!

Das wäre mein Plan für die nächsten 5 bis 25 Jahre. Und der gibt mir endlich wieder Hoffnung für mein Leben.

Doch dann wache ich nachts schweißgebadet auf, voller Selbstzweifel und panischer Angst, dass das dieser Plan nur ein leeres Wolkenkuckucksheim und ein Traumgespinst ist, und frage mich entsetzt, ob ich nicht eher doch für immer in meinem derzeitigen seit 15 Jahren andauerden beruflichen Albtraum von wiederkehrender Arbeitslosigkeit, menschlicher Demütigung und allgemeinem Nichtskönnen gefangen bleibe.

Inzwischen ist es 4 Uhr 55 und ich schleiche wieder ins Bett, um nochmals gegen einen neuen Albtraum zu kämpfen und zu hoffen, dass ich es vielleicht doch irgenwann auf die Reihe kriege, zufrieden zu werden.

Glücklichsein wird meiner Meinung nach ja total überschätzt. Zufriedenheit, ja, das reicht für mich völlig aus, ist aber so viel schwerer zu erreichen, als Glück.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

5 responses to “Nachts die Angst

  • lautleise

    Ich drück Dir alle Daumen, denn was wären wir ohne unsere Pläne und Wünsche für die Zukunft. Ich bin wo gelandet, das hätte ich nie gedacht, und war verdammt nochmal dort dann auch erfolgreich.
    Die Pläne, die ich für mich hatte, die haben meine Kinder voll erreicht.
    Chefarzt, Fachärztin und Diplom Ingeneurin.
    Ohne meine Hilfe!
    Ja, so kanns gehen.
    LG – Wolf.

  • Stadtkatze

    Zweifel sind normal, schließlich beudeutet die Realisierung von Plänen, sich aus der Deckung und Sicherheit in ungeschützten Raum zu begeben — ohne Erfolgsgarantie. Es gibt da eine Strategie, um die Angst einzudämmen zu versuchen: Male Dir aus, was das Schlimmste wäre, was passieren könnte, wenn Deine Pläne sich nicht realisieren. Am besten detailliert und womöglich mit Ideen, mit einer möglichen Bruchlandung umzugehen. Dann verliert das nämlich seinen Schrecken und blockiert Dich weniger. Würde mich freuen, wenn’s für Dich funktioniert!
    Und Du kennst vermutlich den Spruch: „Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Und da denke ich mir, dass es sich eher für Deine Träume zu kämpfen lohnt als gegen die Widrigkeiten im derzeitigen Job. Es klingt wirklich toll, was Du schon alles überlegst und (kritisch) planst! Ich unterstütze Dich gerne, wo es mir möglich ist — und sei es nur moralisch 😉

    • AnGarasu

      Wenn ich mir das Schlimmste ausmale, endet das Szenario immer in der Trennung von Männe und meinem Selbstmord. Ich glaube nicht, dass ich mir ausgrechnet das vor Augen führen sollte …
      Schon mal zur Info: Leider muss ich das Schlafsofa rauswerfen, damit ich an dieser Stelle meinen kleinen Werkplatz samt Aufbewahrungsregalen für die Materialien hinbauen kann. D.h. Ihr müsst dann im Auto schlafen, wenn Ihr uns besucht … nein, Spässken. Wir kaufen nächstes Jahr fürs Wohnzimmer eine neue Wohnlandschaft mit mehr Platz. Da kann man dann auch super zu zweit mit zwei Katzen drauf poofen. Ist alles schon geplant. Und sobald wir dann ein eigenes Haus mit kleiner Werkstatt haben, gibt es auch wieder ein Gästezimmer. 😉

      • Stadtkatze

        *seufz* Selbstmord als Reaktion auf Trennung ist ja nun nicht die einzige Möglichkeit, woll? Was das Übernachten angeht: Wir haben ja seit einiger Zeit ein Zelt… ;-D (Da wir selbst – noch – kein Gästezimmer bieten können, wissen wir, dass es auch so geht, wenn’s muss.)

  • lautleise

    Wir haben Gästezimmer, Gästeklo und einen riesigen Garten, dort würde jedes Zelt hineinpassen.
    Ganz liebe Grüße – Wolf.

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