Nix

… schenken, wollten wir uns dieses Jahr.
Also die Erwachsenen unter sich. Das habe ich felsenfest beschlossen und auch rechtzeitig der anhängenden Familie (ja, auch die Stadtkatze samt FF sind schon lange in die Garasu-Familie assimiliert worden) kommuniziert, da es in den letzten vier Jahren irgendwie immer eine Qual war, ein passendes Geschenk zu finden. Selbst zwischen Männe und mir wurde es irgendwann sehr anstrengend, da wir doch recht spezielle Wünsche haben, die es erforderlich machen, einen Amazonas-Wunschzettel anzulegen oder die Bestellnummer aufzuschreiben, was den Zauber des Schenkens an sich doch drastisch reduzierte.
Das wollte ich mir dieses Mal einfach nicht antun: Diese Gesichter der unterdrückten Qual ansehen, das gepresste „Danke schön. Das ist aber toll.“ anhören und die dazu verdrehten Augen ignorieren zu müssen.

Zwischen Männe und mir hat das super geklappt. (Selbst die Stadtkatze hat nur leckeres Selbstgemachtes am 2. Weihnachtstag mitgebracht, bei dem ich dann auch gleich mit meinen selbsteingelegten Gurken kontern konnte. Ganz feierlich, versteht sich.) Wir beide haben uns vorher selbst das gekauft, was wir gerne haben wollten und dennoch einen sehr entspannten und ruhigen Heiligabend verbracht – bis wir die Geschenke meiner Mutter aufgemacht haben, die es trotz mehrfacher Bitten nicht unterlassen konnte, doch was zu kaufen. (Da ich das aber wusste, hatte ich auch eine Kleinigkeit besorgt, die ihr gefallen würde. Bei ihr und meiner Schwiegermutter wusste ich schon immer, was gut ankommt.)


Des Grauens Erster Akt

Jedenfalls packte ich (zum dritten Mal in Folge) 2 Tischdecken mit megahässlichen Comic-Weihnachstmännern, ein (fremd- und wirklich total schief-) selbstgenähtes Filz-Tischset und eine Halskette aus Kunststoff-Halsreifen und riesigem Quadratanhänger für eine Ü50-Matrone aus. Passend zum Filzset hatte sie mir übrigens vorher schon zum Geburtstag vom Advent-Handwerkermarkt selbstgequiltete Weihnachts-Topflappen (!!!) geschenkt … weil ich mir doch so oft die Arme am heißen Ofen verbrenne. (Genau. Deswegen habe ich ja auch seit Jahren gar keine extra langen Ofenhandschuhe, um das zu verhindern, sondern wickel mir stattdessen immer kleine, quadratische Topflappen als Schutz um die Unterarme, während ich mit bloßen Händen in den heißen Ofen greife. Ja nee, is klar.)

Meinen Aufschrei hat man vermutlich bis ins nächste Dorf gehört …

Als ich sie dann abends anrief, um Frohe Weihnachten zu wünschen, fragte sie freudestrahlend, ob mir ihre Geschenke denn gefallen hätten. Nun ja, da ich die Politik der höflichen Ehrlichkeit vertrete, fragte ich sie, ob sie denn vergessen hätte, dass ich sie seit Jahren bitte, mir keine Tischdecken, Topflappen oder andere Tischware zu schenken, da ich jetzt schon nicht mehr weiß, wohin mit dem bereits vorhandenen Kram.

„Aber das ist doch sooo putzig, diese Weihnachtsmänner, so süß! Und das sind doch keine Tischdecken, das sind doch Tischläufer, die passen doch immer! Und was ist mit der Kette? Die ist doch wenigstend dein Geschmack, oder? Der Anhänger ist versilbert!“

„Muttern, wann hat du mich das letzte Mal Schmuck tragen sehen? Einen Ring? Eine Kette? Das mache ich vielleicht 2 Mal im Jahr, wenn’s hochkommt. Aber dann auch nicht so einen Riesen-Anhänger, für den ich noch mindestens 15 Jahre älter werden muss.“

„Aber der ist doch versilbert.“

„Mama! Das macht es doch nicht besser! Das macht mir nur ein noch schlechteres Gewissen, weil ich ihn nicht tragen werde! Warum kaufst du sowas? Du weißt doch, dass ich dich beim letzten Geschenke-GAU gebeten habe: Keine Tischdecken, keinen Schmuck, keine Handtaschen, keinen Schmuck, keine Tischläufer und keine Schals! Zumal wir uns allen dieses Mal sogar garnichts schenken wollten!“

„Oooch Kind, dann behälst du die Kette eben solange, bis du alt genug bist, dass sie dir gefällt. Die Tischläufer nehme ich dann eben wieder mit.“

An dieser Stelle habe ich dann aufgehört, mit ihr weiter zu diskutieren.

Damit bin ich dann wohl die nächsten 15 Jahre stolze Besitzerin einer versilberten Kette, die ich nicht tragen werde.


Des Grauens Zweiter Akt

Am 1. Weihnachtstag waren wir bei Männes Eltern eingeladen. Vorher hat er ihnen ebenfalls mehrfach gesagt, wir schenken uns nix.

Um es kurz zu machen: Nach dem Mittagessen gab es auf Seiten der Schwiegereltern seeeeehr lange Gesichter, als die beiden haufenweise Geschenke für uns auffuhren, wir aber genau das mitgebracht hatten, was schon seit Wochen angekündigt worden war: nämlich Nix.

Ach herrjeh. Seltsamerweise bekam die besinnliche Stimmung damit einen ziemlichen Dämpfer.

Ich war froh, dass wir alsbald (u.a. um einen hässlichen Deko-Plastik-Weihnachtsmann für über 30 Euro (!!!) reicher) gen Heimat fuhren.


Des Grauens Dritter Akt

Muttern kam am 3. Weihnachtstag, um die Tischläufer abzuholen.
Und brachte gleichzeitig neue … äh, Geschenke zum Austausch – damit ich nicht so enttäuscht bin …

Ich hab dann einfach gar nichts mehr gesagt und sie stillschweigend unter den Weihnachstbaum zu dem anderen Schrott gestellt. Dann sind sie wenigstens nicht mehr so einsam …

 

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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