Ceep calm and call the police!

Auf dem Heimweg komme ich immer an unserer Dorftanke vorbei, bei der ich Ivan regelmäßig mit neuem Diesel versorge. So auch am Montag Abend nach der Arbeit. Da der Sprit gerade mit günstigen 93 Cent zu Buche schlug, summierte sich der Betrag trotz Volltankens nur auf etwas über 35 Euro.

Nachdem ich  nun knapp 5 Minuten bei -8° C, Schnee und Eis in der Kälte gestanden hatte, ging ich rein zum Bezahlen, schob meine EC-Karte in den Kartenleser, während sich ein anderer Kunde hinter mich stellte. Plötzlich piept der Gerät und verweigert den Geldeinzug wegen „derzeit nicht möglich“.
Super. Hatte die KFZ-Versicherung etwa genau an diesem Tag von meinem Konto abgebucht und damit das Limit erreicht? Wie peinlich. Äh, ja. Hmmm. Was machste jetzt?
OK, erstmal so tun, als ob die Karte ’nen Defekt hat. Vielleicht klappt’s ja dann doch noch.
Ich mich also bei der mir fremden Kassiererin entschuldigt, die Karte raus genommen, über den Jackenärmel gewischt und 2. Versuch. Doch leider: Nix zu machen. Yo.

„Tut mir leid, die Karte will einfach nicht. Leider habe ich nicht genügend Bargeld dabei. Aber ich wohne nur ein paar Minuten entfernt, ich würde eben nach Hause fahren, Geld holen und sofort wieder kommen. Solange kann ich Ihnen etwas als Pfand hier lassen.“

„Ja nee, also eigentlich machen wir sowas nicht.“

„Was möchten Sie haben? Perso oder Führerschein?“

„Na, wenn, dann das Handy.“

„Äh, tut mir leid, nein, das lasse ich Ihnen nicht hier. Bei dem Wetter und den Straßenverhältnissen heute ist mir das zu riskant. Wenn ich gleich in den Graben rutsche, könnte ich noch nicht mal Hilfe holen. Ich lasse Ihnen  jetzt einfach meinen Perso da und komme gleich wieder. Ihre Chefs kennen mich  schon seit über 15 Jahren, das dürfte kein Problem sein.“

Gerade als die Frau widerstrebend einwilligt und ich ihr meinen Perso rüberschiebe, kräht der Typ hinter mir plötzlich lauthals über meine Schulter: „Und bloß das Autokennzeichen aufschreiben! Damit die Polizei das dann zur Fahndung ausschreiben kann!“

Die Kassiererin kriegt große Augen vor Schreck und ich sofort ’nen dicken Hals. Ich drehe mich um, gucke den Typen wütend an und frage: „Was mischen Sie sich denn da ein? Glauben Sie, wegen 35 Euro kommt gleich das SEK angerückt und zerrt mich wegen Terrorgefahr aus der Wohnung? Nun mal schön auf’m Teppich bleiben.“

„Ich mein ja nur.“

„Ich meine auch gleich mal was, wenn sie sich nicht da raus halten.“

Mann, Mann, Mann. Da steht man schon mit ’ner riesen Bombe vor Scham und da muss sich noch so ’nen blöder Honk einmischen und alles verschlimmern. Was geht in solchen Leuten bloß vor?

Jedenfalls rase ich dann nach Hause, immer den Blick im Rückspiegel, ob gleich polizeiliches Blaulicht hinter mir herkommt, hole das Geld und fahre zurück. Das Ganze dauert 10 Minuten. Als ich rein komme, ist die Chefin da, die mich freundlich grüßt und fragt, warum ich den meinen Papiere  da gelassen hätte. Ich erkläre ihr die Situation, gebe ihr das Geld, sie lacht lauthals, drückt mir den Perso in die Hand und wünscht mir noch einen schönen Abend. Puuuh!

Entwarnung. Alles easy.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

2 responses to “Ceep calm and call the police!

  • Helma Ziggenheimer

    Hach ja. Immer die, die einem im Rücken stehen und alles besser wissen.
    Normalerweise müsste man sich rumdrehen, herrlich freundlich lächeln und sagen: „Ja blöd, ne, der Wagen is eh geklaut.“
    Blöderweise kann man sich heutzutage solche ironischen Spitzen aber eben auch nicht mehr erlauben.
    Aber Du, was solls. Du bist ja nicht die Erste, der das passiert ist. Hat mir mal ne Tankstellenangestellte gesagt, als ich genauso dastand wie Du – nur dass ich gleich mein ganzes Portemonnaie zu Hause liegenlassen hatte 🙂
    Dass Karten außerdem oft und gerne mal nicht reagieren, kennt ja inzwischen auch jeder treue Kartenbesitzer. Also lecker Kaffee drauf und gut ist 🙂

  • Stadtkatze

    Ich sach’s ja: die Leute sind bekloppt, und sie werden immer bekloppter. Der Typ leiht sicher auch keinem Nachbarn ein Pfund Zucker — wer weiß, ob da nicht eine Bombe draus gebastelt wird. Oder vorm Zurückgeben Gift druntergemischt…
    Helma Ziggenheimers Idee mit der passenden Replik gefällt mir übrigens sehr gut :). Aber ich hätte dann auch Angst um Dich, falls die unbedarfte Thekenfee daraufhin womöglich die Selbstschussanlage scharf stellt.

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