Papierverschwendung

In den letzten Jahren bzw. Wochen bin ich von so vielen Leuten (nicht nur) aus der REHA dazu gedrängt aufgefordert worden, doch ein Buch über mein chaotisches Berufsleben zu schreiben, dass ich mich in schwachen Momenten ernsthaft beim Gedanken dabei ertappe, es irgendwann wirklich zu tun. Auch meine Therapeuten und die Sozialberaterin meinten, dass das 1. eine gute Therapie für mich wäre, und ich 2. vielleicht auch noch etwas Geld mit meiner Misere verdienen würde.

Inzwischen bin ich selbst so verwzeifelt und hoffnunglos fatalistisch, dass das manchmal in einsamen dunklen Nächten an gewissen Tagen in manchen Situationen eine echte Option wäre.

Und dann kommt mein verdammtes Gewissen ins Spiel …

Warum, zum Teufel, sollte ich so etwas tun?

Es würde eh keine Hilfe für andere sein, weil ich ja immer noch in einem seit über 17 Jahren andauernden beruflichen Schlammassel stecke, aus dem ich einfach keinen Ausweg sehe. Es wäre ein Buch ohne Optimismus, ohne Hoffnung, und erst Recht kein Ratgeber für andere arme Teufel in meiner Situation. Denn ich kann ja noch nicht mal mir selbst helfen, mit dieser ganzen Scheiße umzugehen oder sie in etwas Postives zu verwandeln. Ich halte mich selbst für eine Versagerin, wie soll das denn andere inspirieren, es besser zu machen?

Und diese explodierende Menge an selfpublished Books*, die wie Fliegenpilze aus dem Boden Klein Bloggersdorf schießen … denen kräht doch kein Hahn nach, wenn wir mal ehrlich sind. Selbst ich würde diese „literaischen Auswürfe Ergüsse“ niemals kaufen.
Mit meiner absolut amateurhaften Schreibe – die übrigens ebenfalls weit, weit davon entfernt ist, Pulitzer-Preis-verdächtig zu sein, wie alle anderen auch – würde ich mich doch bloß in eine endlose Schlange sinnloser und total unbekannter Who the fuck?-Blogzusammenfassungen einreihen und damit die nächsten 17 Jahre genauso grandios scheitern, wie jetzt auch.

Mal angenommen, ich hätte einen Titel für das Buch – sagen wir sowas wie „Neben der Linie – Scheitern als Lebenskonzept“ oder „Nichtskönner – Episoden aus dem Leben einer Versagerin“. Scheiße noch mal! Wer würde so einen Mist lesen wollen?! Selbst wenn im Vorwort dieser absolut hanebüchener Titel mit einer tränenreichen Geschichte aus meiner Kinderzeit erklärt werden würde, á la „Mimimi! Ich war ungefähr fünf Jahre alt und wir haben im Kindergarten Herbstdeko für die Fenster gebastelt. Aus rotem Tonpapier sollten wir schöne Äpfel ausschneiden, die mit Bleistift und Schablone vorgezeichnet worden waren. Nur leider hielt ich mich nicht an die Vorgaben und schnitt mit der Kinderschere nur Pi x Daumen neben der Linie entlang. Bis die Erzieherin das sah, mir die Schere wegnahm, es mir nochmal zeigte, wie es richtig ging und, nachmdem ich es danach immer noch nicht hinbekam, meinen Apfel nicht mit denen der anderen Kinder ans Fenster hing, weil er einfach zu hässlich war. Das ist meine früheste Versagens-Erinnerung. Und seitdem schneide ich schon mein ganzes Leben neben der Linie. Mimimi.“

ALTER! DAS.LIEST.DOCH.KEINER!

Warum auch? Versteht mich nicht falsch, ich mache niemandem einen Vorwurf. Höchstens mir selbst. Mein Blog ist doch noch nicht mal von mehr als einer Handvoll Leute abonniert! Wer sollte also bitte schön ein ganzes Buch von mir lesen? Nur um es dann sowieso ins Altpapier zu werfen.

Ist doch die reinste Papierverschwendung.

 


 

* Ich spreche hier nicht von Das Nuf oder Erzählmirnix. Das sind nämlich genau die Sechser im Lotto bzw. Blitzeinschläge, die mich nicht treffen werden.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

6 responses to “Papierverschwendung

  • Helma Ziggenheimer

    Warum so negativ? Ich lese gerne hier und vermutlich tun das noch mehr als sich letztlich eingetragen wurde. Denn das ist mir irgendwann mal aufgefallen: Ich z. B. habe lange Zeit Leser (gehabt), die sich aber nicht als Leser eingetragen haben. Warum auch immer – vielleicht schämt man sich ja, offen zuzugeben, dass man meinen Blog liest? 🙂
    Ungeachtet dessen glaube ich nicht, dass die Leserzahl eines Blogs tatsächlich so viel aussagt. Es gibt inzwischen einfach zu viele!
    Und weißt Du, am ehesten liest man doch Bücher, mit deren Inhalt man sich irgendwie identifizieren kann. Für mich schaffst Du es, den Alltag so zu erzählen, dass ich denke: „Ja… Geht mir auch oft so“ – und es ist trotz allem Frust etc. immer irgendwie ein Augenzwinkern dabei. Mal ironisch, mal belustigt – aber es ist immer eins dabei.
    Überhaupt: Was hättest Du zu verlieren? Alles mal gezielt aufschreiben, rauslassen, von der Seele reden – das ist vielleicht doch was anderes als hier im Blog?
    Einen Blog in ein Buch umzustricken ist aus meiner Sicht bislang nur Conni Lubek gelungen – mit ihrem Buch „Anleitung zum Entlieben“. Sie hat dann zwar ihren Lesern zuliebe den Blog weitergeführt, aber man kann sich ja denken, dass der dann irgendwann über seine Banalitäten einschlief. Wer würde wohl auch sonst das Buch gekauft haben, wenn mans gratis im Netz lesen kann?
    Obs je auf ner Bestsellerliste stand, weiß ich gar nicht, ich z. B. habs zufällig in einer Ramschkiste für 2,99 gefunden. So schlecht gelebt hat sie, glaube ich, aber trotzdem nicht davon.

    • AnGarasu

      Negativ? Nein, ich denke eher, dass ich das sehr realistisch sehe. Außerdem würde ich nur über meine berufliche Laufbahn schreiben, nichts Privates und natürlich nur unter Pseudonym. Einmal wegen der rechtlichen Seite (womögliche Verleumdungsklagen und so) und weil ich mich nicht als reale Person outen will. Ich bin lieber jemand, der gerne unter dem Radar fliegt. Und das wäre dann die zweite Krux an der Sache: Um das Buch einigermaßen erfolgreich zu vermarkten, müsste ich als Person auch noch Werbung machen, und ich will auf keinen Fall mein Konterfei und Klarnamen in irgendwelchen Medien sehen! Ich bin ja aus Überzeugnung noch nicht mal beim Fratzenbuch, Twitter o.ä. Selbst mit dem Blog hier habe ich manches Mal arge Bauchschmerzen. Viele Dinge schreibe ich gar nicht erst hier rein, weil sie mir selbst hierfür viel zu privat sind.
      Angefangen habe ich mit dem Blog nur, um mit der Stadtkatze in besserem Kontakt zu bleiben, nachdem sie soweit weg gezogen ist, und auch als „Therapie“, um die „alten Geschichten“ aus meinem beruflichen Werdegang loszuwerden. Dass ich mal mir völlig unbekannte Follower haben werde – damit habe ich niemals gerechnet.

      • Helma Ziggenheimer

        OK, von der Warte der Anonymität heraus verstehe ich Deine Gedanken total! Hier im Blog weiß ja niemand, der Dich nicht persönlich kennt, wer Du bist etc.
        Und selbst bei eBooks habe ich mal nachgelesen, da muss man auch im Impressum „hergeben“, wer man ist (ums mal vereinfacht auszudrücken).
        Ich habe mir mal das Buch „Blinzle bitte einmal“ gekauft – dazu gab es, meine ich, auch mal einen Blog. Die Autorin hat sich da, soweit ich weiß, geschützt. Nicht nur damit, dass der Name ein Pseudonym ist. Wer „Sarah Gold“ wirklich ist, weiß man also nicht – oder man könnte es aufwendig ergoogeln bzw. erforschen, was ich aber nicht gemacht habe. Nicht umsonst bedient man sich ja eines Pseudonyms.
        Vielleicht hängt das Ganze also eher von der Art der „Vermarktung“ ab?

  • Stadtkatze

    Na, für eBooks sterben immerhin keine Bäume… Ich habe ja die Hoffnung, dass Du, auf dem Wege der Umschulung oder sonstwie, durchaus einen guten Ausweg aus dieser Geschichte finden kannst. Ob Du das dann literarisch verarbeitest oder nicht, ist nachrangig! Hauptsache, es wird beruflich besser.

    • AnGarasu

      Das ist ja das Problem! Ich sehe derzeit keinen berfulichen Ausweg. Aber irgendwas muss ich ja machen, auch um Geld zu verdienen. Deswegen kamen ja die ganzen Ratschläge wegen des Buches von den Therapeuten …

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