Klonk!

Als ich, Männe und die Stadtkatze eingeschult wurden (nicht zusammen versteht sich, aber zeitlich recht nah beieinander vor ca. 30 Jahren) gab’s  – soweit wir uns mit Hilfe von verblichenen Fotos im Familienalbum erinnern – eine für die kommenden Schultage sehr nützlich und gut gefüllte Schultüte, eine große Einführungsfeier in der Schulaula mit den engsten Angehörigen und später ein zwangloses Kaffeekränzchen Zuhause mit dem Rest der Familie. War super, hat Spaß gemacht und ich erinnere mich noch gerne daran. Bis auf den von meiner Mudda selbstgeschneiderten Einschulungsanzug in Kotzgrün …

Heutzutage™ (bzw. vor zwei Jahren) gibt es einen 90 Minuten langen evangelischen Gottesdienst mit Verwandten, Freunden, Bekannten und Nachbarn in einer dermaßen überfüllten Kirche, dass man auf dem Parkplatz stehen bleiben muss, weil das Gebäude aus allen Nähten platzt und die Kinder schon zu zweit auf den Stühlen sitzen müssen. Danach kommt eine 90 minütige Einführungsveranstaltung in der Schule (in gleichem Zustand), wo auch gleich mal eine „Eingewöhnungsstunde“ mit den eingeteilten Schulklassen abgehalten wird, während die Buckligen bei Wind und Wetter auf dem Schulhof geparkt marodieren warten dürfen.
Danach wird dann fast das ganze Dorf zur Sause in den heimischen Garten eingeladen, wo eine Partyplanerin samt Cateringsfirma ein Fest für ein einzelnes Kind organisiert hat, dass einer Hochzeit für Adlige würdig wäre.

Und dann – die Geschenke …
Eine Schultüte reicht nicht mehr. Der Trend geht schon zur Dritt-Tüte: Neben der der Eltern werden inzwischen auch von Oma und Opa und von den Geschwistern bzw. Tanten und Onkel eine eigene Tüte er-war-tet! Wagt man es aufgrund geistiger Umnachtung tatsächlich ohne die Partymeile zu betreten, wird man quasi direkt mit Fackeln und Heugabeln vom Hof gejagt, weil das Einschulungskind ein dermaßen enttäuschtes Geheul startet, das dem des Fliegeralarms über London aus dem 2. Weltkrieg Konkurrenz macht.

Wuuuuuäääääähhhhhh – Wuuuuuääääääh – Wuuuuuäääääh!!!

Dabei ist es nicht so, als ob man kein Geschenk als Onkel und nicht mal angeheiratete  Tante dabei hätte. Aber mitnichten! Es war nur eben keine tagelang und mit Herzblut selbstgebasteltete Schultüte mit 10 Geschenken im Wert von mindestens 150 Euro darin! Gott bewahre! Nein, es ist nur eine popelige und leider, leider nützliche Trinkflasche aus Aluminium mit dem Namen des Kindes und einem billigen Motiv hingerotzt worden, die nur mickrige 25 Euro gekostet hat. Pfui Teufel, wie können wir es nur wagen!!!

Oooooooohhhhh, jetzt hat die Kleine Kinderseele aber einen Knacks bekommen, weil man es nicht genügend liebt, um sich die Nächte mit Heißklebepistole und Fotokarton um die Ohren zu schlagen! Stattdessen hat es nur zu einem schnöden Klick im Internet gereicht. Wie können wir nur??? Da müssen wir uns nachträglich aber noch mindestens 1 zusätzliches Geschenk einfallen lassen, um den Schaden nachträglich wieder gerade zu biegen!!!
Seht doch mal, was die anderen alles geschenkt haben: einen Zauberkasten im Wert von 79 Euro, einen Mont Blanc Füllfederhalter für 150 Euro, einen Schulranzen im Wert von 250 Euro mit vergoldeten Schnallen, ein Artzkoffer mit echtem Inhalt aus Vintageleder für 65 Euro und die zukünftige Berufswahl, 3 bis zur Selbstaufopferung und mit viel Herzblut selbstgestalteten Schultüten  im Wert von fast 100 Euro – ohne Inhalt natürlich! –,  eine Federmappe mit Reißverschluss aus echtem Silber für 90 Euro und eine Eintrittskarte für das Harry-Potter-Filmgelände-Event in London – Preis: unbezahlbar, da lebenslanger Erinnerungswert garantiert!
Und was bringt ihr mit?

Klonk!

Flasche im Müll.

 


Dieses Jahr wurden wir eine Woche vorher zur Einschulung des dritten Blages eingeladen. „Hoppla und Entschuldigung, wir haben euch leider, leider vergessen“, sagte die Schwägerin zu Männe. „Aber jetzt wisst ihr ja Bescheid. Reicht ja noch, um ein schönes Geschenk zu kaufen.“

„Tja, Entschuldigung“, sagte ich daraufhin postwendend zur Schwägerin. „Das ist jetzt ja ein bisschen knapp. Da haben wir leider schon was vor.“

Und leider, leider reicht es auch nur zu einem noch minderwertigerem Geschenk: einer stabilen Brotdose von Tupper mit Engry-Börds-Motiv im Wert von 15 Euro.
Soll ich sie gleich in den Müll werfen oder wollt ihr es selber machen?

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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