Rumble in the box

Sonntagmorgen, 9.45 Uhr.
AnGarasu kriecht aus dem Bett und macht sich erstmal Kaffee. Durch das geöffnete Küchenfenster hört sie jedes Wort des ersten Streits des Tages der neuen Nachbarn nebenan, weil die ebenfalls alle Fenster geöffnet haben. Plötzliches synchrones Türenschlagen beendet die Brüllerei aber nach fünf Minuten. Seufzend geht sie ins Büro an den Rechner. Männe schläft.

10.15 Uhr.
Erneutes Brüllen nebenan, das durch das geöffnete Fenster des Büros herüber schallt. AnGarasu lauscht kurz, schüttelt mit dem Kopf und schließt das Fenster. Wieder am Rechner macht sie Musik an, da sie den scheinbar sehr enthusiastischen Streit immer noch gut sowohl durch den Haus- und den Wohnungsflur bis ins Büro hören kann. Nach einer guten Dreiviertelstunde wieder Türenknallen und Ruhe. Männe schläft.

11.15 Uhr.
Das gleiche in Grün. Dieses Mal hört es schon nach fünf Minuten wieder auf. Männe schläft immer noch!

12.30 Uhr.
Das gleiche in schwarz. AnGarasu schnaubt empört – der Spießer in ihr ist geweckt. Es ist immerhin Mittagszeit an einem verdammten Sonntag, Mann! Da will sie ihre Ruhe haben. Männe hat sie jedenfalls weg.

14.10 Uhr.
PENG!!! Nebenan explodiert scheinbar ’ne Bombe und AnGarasu reißt es schreiend vom Sofa. Das kann doch jetzt echt nicht mehr wahr sein!
Wütende Raserei nebenan. Beide brüllen in höchstmöglicher Lautstärke um die Wette. BÄMM! SCHEPPER! KLIRR! Schuhe und Gläser fliegen quer durch den Flur. Man kann es deutlich hören.
PLING!!! Geduldsfaden gerissen – AnGarasu reißt ihre Wohnungstür auf und stampft barfuß und wutentbrannt zehn Schritte durch den Hausflur zur Nachbarwohnung und trommelt energisch dagegen.
Sekundenlang keine Reaktion, da die Frau sich anscheinend ins Schlafzimmer eingeschlossen hat und der Mann ohrenbetäubend brüllt: „Mach die Tür auf, du Schlampe!!! Ich lass mich hier nicht aussperren!!! Du sollst die Tür aufmachen!!! Mach diese Scheiß Tür auf!!!“
Nun kommt auch der Nachbar von oben die Treppe runter und schaut entsetzt über das Geländer. Tiefes Wummern und die typischen Geräusche berstenden Holzes lassen AnGarasu reflexartig mit der Faust gegen die Wohnungstür hämmern und ihrerseits ohrenbetäubend brüllen.
„Verdammte Scheiße, streitet euch gefälligst leiser!!! Das ganze Haus muss sich euren Scheiß schon den ganzen Tag lang anhören!!! Es ist Sonntag und wir wollen unsere Ruhe haben!!!“
„Was’n da los?“, fragt der polnische Nachbar auf der Treppe besorgt.
„Der Penner hat wohl die Tür eingetreten, weil seine Alte sich dahinter eingeschlossen hatte und ihn partout nicht rein lassen wollte“, erwidert sie schnaubend. „Wenn die nicht sofort die Klappe halten, sage ich dem Vermieter Bescheid, verdammte Scheiße!!!“ brüllt sie Richtung Wohnungstür. Der polnische Nachbar nicht bekräftigend und zieht sich in eine sichere Position zurück.
Diese wird plötzlich mit einem Ruck aufgerissen und der 25jährige Nachbar steht mit hochrotem Kopf heftig keuchend vor ihr, seine Freundin mit total verheultem Gesicht und sich schmerzerfüllt stöhnend den Oberarm reibend im Wohnungsflur.
Es reicht!!!“, blafft AnGarasu die beiden Spackomaten warnend an.
Das hoffe ich auch!!!“ blafft der Oberspacko ebenso laut zurück und knallt die Tür wieder zu, nur um sofort seine aufheulende Freundin anzuschreien, dass das alles nur ihre Schuld sei.

14.15 Uhr.
AnGarasu ist wieder in ihrer Wohnung und lauscht für etwa zehn Sekunden dem immer noch hörbaren, aber deutlich leiseren Streit des Paares. Ihr ist es scheißegal, wer angefangen hat – sie interessiert nur, dass da drüben endlich mal Ruhe ist.
Schnaufend geht sie ins Schlafzimmer und weckt Männe, um es ihm heimzuzahlen, dass er schon wieder das Spektakel der Nachbarn verschlafen hat ihm kurz zu berichteten. Der grummelt nur etwas unverständliches, dreht sich träge auf die andere Seite und pennt unbeeindruckt weiter. Schönen Dank auch.
Zurück im Wohnzimmer ist endlich himmlische Stille eingekehrt.
Ein schöner Sonntag für alle.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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