Ein Talent für Mord – oder: Sie hätten ihn „Hasi“ nennen sollen

3 von 4.

Das ist meine Trefferquote bei Krimis. Sei es im Film oder Buch. Spätestens nach der Hälfte weiß ich bereits, wer’s gewesen ist. Oft sogar auch wie und warum. Fragt mich nicht, woher ich das kann. Ich weiß es nicht. Bei Castle war es in den letzten beiden Staffeln sogar so schlimm, dass mir meine Vorausahnung bzw. das immer schlechter werdende und damit leichter zu durchschauende Script den Spaß an dieser (eigentlich wirklich tollen) Serie verdarb. Ich war dann sehr erleichtert, dass Castle endlich, endlich zu Ende ging.

Letzten Sonntag lief ein Polizeiruf 110 mit dem Titel Wölfe. Ich bin zwar eher ein Fan ausgewählter Tatorte, aber es lief sonst nichts, was mich gereizt hätte. Also sah ich mir das an. Das erste, was meine Augen in Erdrotation versetzte, war im Einleitungsmord die Katze, bzw. das, was sie symbolisierte – nämlich klaffende Logiklöcher so groß wie das Loch Ness. (Wer das Teil und seine Größe nicht kennt, sollte eben kurz googeln gehen. Ich warte solange. OK.)

Ich umreiße kurz das Geschehen: Ein Frau liegt seit zwei Wochen tot in Ihrer Wohnung zu stinken. Im 10. Stock eines Hochhauses. (Bitte merken, dass wird noch wichtig.) Augen, Nase, Lippen sind nicht mehr da, wo sie sein sollten, nämlich: im Gesicht. Sie sind weg. Futschikowski. Out of sight. Die Polizei vermutet, dass der Mörder die Frau verstümmelt hat. Aha.
SpuSi durchforstet mit ca. 5 Mann bereits stundenlang die 2- bzw. 3-Zimmer-Wohnung. Der hauptdarstellende Bulle geht auf den Balkon, um mit einer Kollegin zu telefonieren, und hat dabei freie Sicht auf das Stadtpanorama. (Na, klingelt’s schon bei dem einen oder anderen?) Er erzählt seiner Kollegin von dem Mord und dem Zustand der Leiche. Die weist ihn auf eine wahrscheinlich verhungernde Katze hin, die Frauchen in ihrer Not angefressen haben könnte. Er geht wieder rein und fragt die herumturnende SpuSi, ob sie Hinweise auf eine Katze gefunden haben. Antwort: Nö. Kein Napf, kein Katzenklo. Nichts. Bulle geht zum Kühlschrank, guckt rein und findet eine offene Dose Katzenfutter.
Echt jetzt? *Spirrrr* Meine Augen beginnen zu kreiseln.

Und nun mal alle Katzenbesitzer gemeinsam: What the fuck?
2 Wochen ist das arme Vieh in der Wohnung ohne Nahrung eingesperrt und hinterlässt nur abgefressene Weichteile an einer Leiche? Sie hat nicht den Teppich an der Tür zerkratzt, um rauszukommen? Die hat nicht erst das anscheinend unsichtbare Katzenklo vollgeschissen und -gepisst und dann den Rest der Wohnung? Keine Pflanzen von der Fensterbank geschmissen, oder die Gardinen zerfetzt? Auch nicht rumgejault wie ein Dämon aus der Hölle?
Na klar. Wer’s glaubt …

Der zweite Rotationsschub für meine noch vorhandenen Augäpfel: Die Katze ist und bleibt verschwunden.
Hat sie sich in Luft aufgelöst? Ist sie von Aliens entführt worden? Oder hat der Mörder sie mitgenommen? Rätsel über Rätsel.
Der Bulle sieht sich ein, zwei Tage später abends nochmal die Wohnung an. Er geht raus auf den dunklen Balkon und findet *tadaaa*: eine offene Katzenklappe. Die er beim ersten Mal am hellichten Tag ü-ber-seh-en hat. Argh! Dann stellt er fest: Der Balkon hat keine Absturzsicherung (*Klingelingel*) für eine Katze, die scheinbar jederzeit raus auf den Balkon darf. Kein Netz, nichts! Er guckt runter und scannt die Umgebung. Wie jetzt? Glaubt er allen Ernstes, das Vieh schwebt da seit über einer Woche wie die Grinsekatze bei Alice frei in der Luft herum, oder was?

Und nochmal alle Katzenbesitzer gemeinsam: What the fuck?
Einer Katze im 10. Stock (!!!) den unkontrollierten Zugang auf einen Balkon gewähren, der nicht gesichert ist!
Hallooo? Geht’s noch? Wer denkt sich so einen Schwachsinn aus? Das können nur Schreiberlinge gewesen sein, die noch nie mit einer Katze zu tun gehabt haben … Es gibt auf der ganzen Welt nicht so viele Äs, wie ich bräuchte, um das Häääääääh??? zu schreiben, das dieser kriminalistische Inhalt verdient. (Btw: Die Frau starb eines natürlich Todes und die Katze ist vor Hunger und Durst vom Balkon gesprungen. Natürlich hing sie tot im Baum. Wie gesagt: 10. Stock.)

Der Mörder war dann später natürlich genau der Typ, den ich bei seinem ersten Auftritt gleich auch schon dafür gehalten habe. *seufz*
Was aber den Vogel abgeschossen hat: Er hat mehr oder weniger ein Wolf bzw. Werwolf sein wollen. Da Wolfgang – so hieß er – eine Hasenscharte hat und den dazugehörigen Sprachfehler, wurde er von der Dorfjugend jahrelang gehänselt und ging dann in die USA, um Zoologie zu studieren, da er Tiere lieber mochte als Menschen, insbesondere Wölfe. Man hatte ihn im Dorf immer „Wolfi“ genannt, aber natürlich nicht – was am naheliegendsten ist –, weil er Wolgang hieß, sondern wegen seiner Wolfs- bzw. Hasenscharte, weswegen er sich als Erwachsener auch einen Mördervollbart (Haha! Wortspiel!) hat stehen lassen, um sie zu verdecken. Ach so! Na dann … Schade nur, dass sich der Möchtegern-Werwolf am Ende wie ein suizidaler Hase aufgeführt hat.
Ich sach ja … Sie hätten ihn „Hasi“ nennen sollen.

Ein Werhase – das wär doch mal was Neues gewesen! Ein flauschiges Mördervieh, das mit einer bluttriefenden Karotte und seinem einschlägigen Schlachtruf „Haddu Möööhrn?“ seine Widersacher gnadenlos niedermetzelt.

Ich hätte ihn liebevoll Psycho-Bunny genannt.

 

Advertisements

Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

2 responses to “Ein Talent für Mord – oder: Sie hätten ihn „Hasi“ nennen sollen

  • Dani

    ähm… wen hat er denn ermordet wenn die Katzendame eines natürlichen Todes gestorben ist?

    • AnGarasu

      Der eigentliche Mord kam erst später. In dem Ort, wo die erwähnte Polizeikollegin auf Alkoholentzug war. Das Opfer war eine „Freundin“ aus Kindertagen, die Hasi trotzdem immer noch gemobbt hat und ihn so zum Werwolf werden ließ.

Dein Senf hierzu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: