Die Russen sind da

Eckhard, geh mal runter in’n Keller, ich glaub die Russen sind da …


Ich habe ein Problem mit Russen.
Nein, nein, nicht was Ihr gleich denkt. Kein rassistisches Problem natürlich – ein literarisches.
„Aaaaaah!“, werden jetzt viele LeserInnen sagen. „Das kenne ich.“
Und das ist tatsächlich so. Denn russische Literatur gilt als schweeere Kooost (den passenden Akzent bei den letzten beiden Worten bitte dazu denken). „Krieg und Frieden“, „Doktor Schiwago“, „Schuld und Sühne“, „Der Meister und Margarita“„Anna Karenina“ und noch einige andere Titel, die ich bereits gnädigerweise verdrängt habe, sind mir seeehr auf die Augen geschlagen, und nicht nur dorthin.

Bandwurmsätze, die über eine halbe Seite lang gehen … Dialoge, deren Inhalt nur auf Droge Sinn zu ergeben scheint … eiskalter Stolz, der – nun ja – nur in Sibirien nachzuvollziehen ist … eine Grammatik, die das Hirn durch den Mixer dreht …
So in etwa empfinde ich die russische Lektüre. Bis jetzt habe ich keines der erwähnten Bücher auch nur annähernd bis zur Hälfte geschafft. Obwohl ich jedes mindestens immer 100 Seiten weit gelesen habe, musste ich es danach erschöpft für einige Monate weg legen. Dann irgendwann habe ich noch mal vorn vorne angefangen, mich mühsam Kapitel für Kapitel durchgekämpft, durch manche sogar zwei Mal, da ich am Ende nicht mehr wusste, was am Anfang stand –  nur um es dann doch endgültig und für immer hinfort zu legen.

Bis dato dachte ich ja immer, dass es mir nur bei den Russen so gehen würde, denn ich habe mich sogar erfolgreich durch „David Copperfield“, „Vom Winde verweht“, Scarlett“, „Die Nebel von Avalon“ und andere Ü1000-Seiten-Schinken gequält, weil ich. Einfach. Nicht. Aufgeben. Wollte!

Aber nun wurde ich eines besseren belehrt: Auch andere Nationalitäten sind unlesbar.

Letztens habe ich der Stadtkatze und ihrer FF ein Buch regelrecht aufgezwungen aufgeschwatzt großzügigerweise überlassen, welches mir Muttern mal mit den besten Absichten zu irgendeinem Weihnachten geschenkt hat (glaube ich jedenfalls). Es stand so lange ungelesen in meinem Schrank, dass ich seine pure Existenz schon beinahe vergessen hätte. Da es mich eines Abends aber nach einer neuen Gute-Nacht-Geschichtete gelüstete, fiel es mir beim Durchforsten meiner beiden Bücherregale zufällig in die Hände. Es hieß Der Meister des jüngsten Tages„, stammt von 1923 und entsprang der Feder von Leo Perutz (Ätsch! Der ist Österreicher, kein Russe. Hatte ihn aber zuerst für einen gehalten, daher der Text hier.).

An dieser Stelle sei anzumerken, dass mein Blog nicht umsonst den Namen Devil Inside trägt, da ich bekannter Maßen u.a. direkt aus der Hölle komme, dem Geiste des Einzig Wahren Meisters entstamme und mein Name Legion ist schon immer ein Faible für Teufel, Hexen und Dämonen hatte. Aufgrund dessen war ich wohl auch jahrelang Mitglied bei der Gothic-Bewegung. (Bis ich merkte, was für arme Heuchler das eigentlich sind, die genauso nur auf das Äußere achten und nicht auf den menschlichen Charakter, der darunter steckt. Danach habe ich mich von dieser Gruppierung schnell verabschiedet und stattdessen meine eigene gegründet. Mitglieder: 1 – ich.)

Vermutlich hat meine Mutter mir nur aufgrund des Titels mit dem Jüngsten Tag und so das Buch geschenkt – und weil sie es als Buch des Monats von der Büchergilde Gutenberg für umme bekommen hat und wahrscheinlich mal wieder nicht wusste, wohin damit. Ein altes Familienleiden.

Was soll ich sagen: Dieses Buch ist so unfassbar schlecht, dass ich mir an drei aufeinanderfolgenden Abenden, an denen ich krampfhaft versucht habe, dieser … ich weiß gar nicht wie es es beschreiben soll … der auf mich einströmenden Buchstabenkotze Herrin zu werden, mir vor Wut und Verzweiflung büschelweise die Haare gerauft habe.  Schließlich war ich so entnervt, dass ich diesen … diesen Erguss eines absolut schief gelaufenen Drogen-Trips (Anders konnte ich mir diesen unfassbaren Schrott echt nicht erklären – ohne den weiteren Inhalt bis dahin gekannt zu haben!) direkt an die Wand geklatscht habe. Wortwörtlich.

Nicht nur, dass die Sprache für mich als Deutsch Leistungskurslerin mit 14 Punkten im Abi echt nicht lesbar war, nein, der Autor ließ die Charaktere gefühlt jede Aussage drei bis vier Mal wiederholen bzw. kritisieren und dabei einen Dünschiss seiern, der bar jeden Verstandes oder Logik war. Die Geschichte kam überhaupt nicht in Gang, stattdessen laberten die Vollpfosten so viel Stuss, dass ich ernsthaft glaubte, dass dieses Buch in einem kompletten Vollrausch kurz vor dem endgültigen Absturz geschrieben worden sein musste. (Ich tippe auf übermäßigen Opium- oder Absinthgenuss.)

Womöglich mag die Geschichte (über einen später von mir im Internet nachgelesenen kreativen Drogenselbstversuch) an sich ja ganz, äh, interessant sein, aber sie war mir unmöglich zu erschließen. Dabei habe ich wirklich mein bestes gegeben. Ehrlich! Ich bin bei Büchern echt hartnäckig, was das angeht. Bis zur Seite 100 gebe ich jedem Autor die Chance, mich in die Geschichte hineinzuziehen. Wenn es bis dahin nicht geklappt hat, wird das dann auch wirklich nichts mehr mit uns.
In diesem Fall gab es allerdings keine 100 Seiten und ich habe nur bis ca. Seite 30 ausgehalten, bevor ich fast selbst übergeschnappt wäre.

Und dann lese ich auf Wikipedia … „das Werk war für Perutz einer der größten Erfolge bei Publikum und Kritik. Positiv äußerten sich beispielsweise Theodor W. Adorno und Walter Benjamin. Jorge Luis Borges nahm den Roman in seine Reihe großer Kriminalromane des 20. Jahrhunderts auf“ … und denke nur lauthals

Wer? und What. The. Fuck??? Is nicht euer Ernst!!!

Doch dann kam der nächste Satz und ich muss jetzt noch immer lachen.

„Perutz selbst hielt nicht viel von dem Werk, bezeichnete es einmal gar als ,Bockmist’. „

Aha! Das erklärt natürlich alles.

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Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

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