Ad (In)Finitum

Die aufmerksame Leserschaft dürfte noch im Hinterkopf haben, dass Männe und ich uns ein hübsches Plätzchen für die Ewigkeit aussuchen wollen. Da wir dieses Jahr 20 Jahre zusammen sind (unverheiratet in Sünde und stolz drauf! Jawollja!), haben wir uns gedacht, dass wir mit unserer Tradition brechen und diesen speziellen Tag schöner begehen als sonst. Soll heißen, dass wir uns nicht nur was Leckeres vom Italiener holen oder schön zum Chinamann unser Wahl gehen. Zusätzlich gehen wir in den Wald und kommen nie mehr zurück und besichtigen ein Bäumchen, an dessen Wurzeln wir dereinst in trauter Zweisamkeit (mit ein paar Nachbarn, sollte es ein Gemeinschaftsbaum werden) zur letzten Ruhe gebettet werden.

Nun verhält es sich allerdings so, dass Männes Eltern seit langer Zeit ein Familiengrab mit Kapazität für 5 Personen haben. Derzeit bereits anteilig belegt mit Omma und Oppa. Wer rechnen kann, weiß: Platz wäre demnach noch für 3 tote Menschen in Särgen. (Zur Definition „tote Menschen“ zählen leider keine Vampire oder Zombies. Habe ich natürlich gleich in der Friedhofssatzungverordnung  nachgeschlagen.) Dumm nur, dass noch  mindestens 4 Leute aus der Familie übrig sind, sprich unter den Lebenden weilen, aber irgendwann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit doch mal tot umfallen werden. Dazu zählen Männe, sein Bruder, dessen Frau und ich.

Auf dieses Dilemma kurz vor Weihnachten beim Kaffeetrinken angesprochen – als Konsequenz zur Ankündigung, uns dann mal im Friedwald beerdigen lassen zu wollen –, ergab sich folgender (für Unwissende verstörender, für uns aber selbstverständlicher) Dialog zwischen Schwiegermonster und mir.

„Nein! Das kommt gar nicht infrage! Mein Sohn wird nicht auf einem gottlosen Acker verscharrt! Egal, wie viele Bäume darauf stehen! Er kommt mit uns ins Familiengrab. Immerhin hat er ja keine Familie, so wie sein Bruder. Deswegen gehört der letzte Platz ihm.“

„Ach? Und was bin ich? Hühnerleber? Nach 20 Jahren und zwei durchgestandenen Krebserkrankungen bin ich ja wohl auch seine Familie.“

„Sei nicht albern. Ihr seid nicht verheiratet, habt keine Kinder und von mir aus kannst du dich beerdigen lassen, wo du willst. Ist mir egal. Aber Männe kommt zu uns auf den Friedhof! Wenn es sein muss, verfüge ich das im Testament.“

„Kannst du gerne machen, liebe B. So wie es aber derzeit aussieht, werdet ihr beide lange Zeit vor uns sterben. Und dann werdet ihr gar nicht mehr mitkriegen, ob Männe irgendwann bei euch im Grab liegt. Ätsch! Da kannst du als Geist bei uns noch so sehr poltern – wir suchen uns unsere Ruhestätte immer noch selber aus. Da hast du gar nichts zu bestimmen.“

„Das werden wir noch sehen!“

Das glaube ich allerdings auch.

Zufällige Axtmorde sollen wohl sehr verbreitet sein …

Advertisements

Über AnGarasu

Ich (E30) bin gelernte Pixelschubse für Printmedien und gleichzeitig Bastelqueen. Beides unter einen Hut zu bringen fällt mir manchmal schwer, da mich die ganzen freilaufenden Irren in meinem Leben echt wahnsinnig machen. Als Selbsttherapie schreibe ich deswegen die skurrilsten Geschichten in "Devil Inside" und do-it-yourselfe ziemlich grobmotorisch zum emotionalen Ausgleich in der "Bastelhölle". Das nenne ich Multi-Tasking – live und in Farbe … Zeige alle Beiträge von AnGarasu

Dein Senf hierzu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: