Archiv der Kategorie: Kotztüte

Stock und Stein bricht mir das Bein …

… aber Worte tun nicht weh?

Manchmal klickst du dich nichts ahnend durch seine Blogroll und stolperst plötzlich über einen Text, der dich wie der Blitz trifft.

BÄMM!

Eingeschlagen. Und zwar in dich.
Dann sitzt du wie paralysiert vor dem Rechner und starrst mit blinden, tränenschwimmenden Augen auf diesen Text, der dich gerade mitten ins Hirn, Herz, oder was auch immer getroffen hat, und bist direkt in die Vergangenheit katapultiert worden.

Sätze, die schon lange in deinen Erinnerungen unter Tonnen von emotionalem Beton von dir begraben wurden, hallen überwältigend laut in deinem Kopf wider. Und während sie immer lauter und lauter auf dich einbrüllen, wirst du immer kleiner und kleiner …

„Sie sind eine totale Versagerin! Sie können noch nicht mal die einfachsten Gleichungen lösen. Sie werden es in ihrem Leben zu nichts bringen. Niemals!“
(Mathelehrerzitat während der Oberstufe)

„Du bist hässlich.“
(Kindermund diverse Male)

„Du bist zu fett. Mit dir spielen wir nicht.“
(Kindermund diverse Male)

„Du bist zu vorlaut.“
(Lehrer- und Chefzitat)

„Sie sind einfach zu selbstbewusst für Ihr Aussehen.“
(Arbeitsamtsachbearbeiter- und Chefzitat)

„Du tust immer, als wüsstest du alles, aber in Wirklichkeit kannst du nichts.“
(Kolleginnenzitat während der Ausbildung)

„Auf dem Foto sehen Sie aber viel hübscher aus.“
(Kundenzitat nach der Ausbildung)

„Ihre schöne Stimme passt gar nicht zu Ihrem Aussehen.“
(Kundenzitat während und nach der Ausbildung)

„Eine hübsche junge Frau würde die Männer hier nur vom Arbeiten abhalten. Deswegen haben wir Sie eingestellt.“
(Chefinnenzitat)

„Du schiebst die Schuld immer auf andere.“
(Chefzitat)

„Stell dich nicht so an.“
(Familien- und Chefzitate)

Auch Nieselpriem kennt diese Stimmen. Bei ihr ist es aber wenigstens dennoch gut ausgegangen. Weil es immer wieder Leute gab, die sich für sie einsetzten, ihr Zuspruch gaben und sie auch eine große Portion Glück hatte.

Ich hingegen nicht.


Gedisst – oder: Als Kunde von Telekom und Vodafone ist man immer gefickt

 

Es hat schon seine sehr, sehr guten Gründe, warum wir auf dem platten (platt, platter, am plattesten) Land leben.  Ein schneller Internetanschluss gehört leider nicht dazu.

Deswegen waren wir auch extrem dankbar, als Vodafone vor ein paar Jahren seine Vertreter flächendeckend losschickte, um die neue LTE-Funktion anzupreisen. Bei uns waren sogar zwei verschiedene Vertreter innerhalb einer Woche da! Wir haben dem ersten vor Freude schluchzend die Füße geküsst und ihm mein Erstgeborenes dargeboten sofort beim ersten Angebot dankbar zugeschlagen, da die Telekom bis dato leider nur DSL-Light bei uns zur Verfügung stellen konnte. Im Vergleich kam man sich wirklich wie in der digitalen Steinzeit vor.

Sechs Jahre lang waren wir nun Kunde bei diesem Verein. Am Anfang waren wir auch trotz der sehr hohen Kosten zufrieden, doch leider stellten sich nach und nach echt nervige Fehler ein, die wir am Ende nicht mehr ignorieren konnten. Auch der zweimalige Austausch des Routers brachte keine Besserung. Nachdem dann mehrfach und sogar für 21 Tage lang am Stück, Telefon und Internet alle paar Minuten teilweise über Stunden hinweg ausfielen, reichte es uns. Wir kündigten im Dezember 2016 fristgerecht zum 12. April diesen Jahres und beantragten zeitgleich bei der Telekom einen DSL-LTE-Hybrid-Vertag. Die Kündigungsbestätigung flatterte auch prompt ein paar Tage später per Mail ins Haus und wir hofften, alles würde gut werden.

Aufgrund technischer Unvorhersehbarkeiten musste unsere Wohnung noch an den Telefon-Verteilerkasten des (6-Parteien) Hauses angeschlossen werden, da das vor ein paar Jahren, als alles aktualisiert wurde, vergessen worden war. Stattdessen hat eine Wohnung zwei aktuelle Anschlüsse bekommen, wir aber keinen. Das sollte aber erst am 20. April geschehen, da dann der Telekomtechniker in der Nähe wäre. Das heißt, wir wären dann für acht Tage ohne Festnetz und Internet. Ärgerlich, aber überlebbar, da Männe seinen 8GB-Handyvertrag als Hotspot zur Verfügung gestellt hätte.

Ich schreibe extra hätte, weil er das nicht tun musste. Denn wie ich am 12. und auch wundersamerweise am 13. April feststellte, funktionierte immer noch alles einwandfrei.
Nanu? Was war da denn los? Haben die unsere Kündigung etwa vergessen?
Ich da angerufen, die Sachlage der freundlichen Dame geschildert und die meinte, ja, Kündigung ist aktuell und im Laufe des Tages würde alles abgeschaltet werden.

Am 20. April lief immer noch alles. Ich Böses ahnend, nochmals angerufen: In Dubai erzählt mir daraufhin eine Dame aus dem Callcenter, dass leider, leider gar keine Kündigung eingetragen wäre und der Vertrag sich deswegen automatisch bis zum 12. April 2018 verlängert habe. Da könne man auch leider, leider nichts machen …

WTF?????!!!!!!!
Ich sofort dazwischen gegrätscht.

Moooment mal, gute Frau! Ich habe hier aber im Dezember 2016 eine Bestätigung Ihres Vereins erhalten, in der sehr wohl drinsteht, dass zum 12. April 2017 alles gekündigt wurde. Wie kann es sein, dass sich dann der Vertrag automatisch verlängert, häh? Muss ich einen Anwalt wegen Betruges einschalten, oder wie?“

„Äääähhh … in diesem Fall verbinde ich sie am besten direkt mit der Kündigungsabteilung.“ *tuuuuut*

Ja, nee. Is klar.
Ende vom Lied: Es tut Vodafone in Deutschland wirklich extrem leid, aber da ist wohl im System was schief gelaufen, natürlich gelte meine Kündigung, der Vertrag verlängere sich nicht, nur das Datum würde sich systembedingt auf den 26. April ändern. Danach ist dann aber wirklich Schluss.

OK, damit konnte ich leben. Immerhin hatten wir so noch bis zum 20. April unser Tor zur Welt.

Gestern dann rief ein Kumpel von Männe auf seinem Handy an und teilte uns mit, dass wir seit Tagen per Festnetz nicht mehr zu erreichen wären. Ob wir unsere Nummer gewechselt hätten?
Natürlich haben wir das nicht.
Aber seltsamerweise hörten sowohl Männe als auch ich, als wir über unsere Handies unsere Nummer anriefen, den Satz: „Diese Rufnummer ist nicht vergeben.“
Äh, watt?
Wieso war hatte dann erst am Nachmittag mein Versicherungsmensch mich über Festnetz erreicht? Störung bei der Telekom? Router abgeschmiert?

Als erstes habe ich den Router neugestartet, doch das Problem blieb. Heute Morgen war es immer noch da. Ich bei der Telekom angerufen und 45 Minuten mit dem sehr hilfsbereiten Techniker telefoniert, rumprobiert, neugestartet, umgestellt, Leitung geprüft usw. Wenn er den Testanruf gemacht hat, kam er durch. Wenn wir raustelefoniert haben, funktionierte auch alles. Nur wenn wir mit unseren Handies anriefen, die über das D2-Netz laufen, passierte: nichts.

A-ha!

„Wir waren bis vor Kurzem noch LTE-Kunde bei Vodafone. Jetzt sind wir bei der Telekom. Männes Kumpel ist aber Vodafone-Kunde, genauso wie wir mit unseren Handies. Gibt es da etwa einen Zusammenhang?“

„Dazu darf ich Ihnen leider nichts sagen“, kommentiert der Telekomtechniker vielsagend meine Vermutung, „aber bei uns liegt das Problem nicht. Sie sollten sich mal mit Vadafone in Verbindung setzen und dort das Problem schildern. Womöglich ist bei der Portierung der Rufnummer noch eine System-Sperre aktiv. Das kann schon mal vorkommen.“

„Wollen Sie damit sagen, Ex-Kunden werden von dem Laden gedisst, wenn man zur Telekom wechselt?“

„Wie gesagt: Dazu darf ich leider keine Auskunft geben.“

Sach mal! Wo sind wir denn hier? Im Kindergarten, oder was? Jetzt werden die Kunden sogar noch nach der Kündigung verarscht?

Natürlich habe ich gleich bei Vodafone angerufen, die Sachlage genau geschildert und die von denen reflexartige Schuldzuschiebung auf die Telekom direkt zweimal abgeschmettert, mit dem Hinweis, dass im Internet natürlich nachzulesen ist, dass dieses Der-andere-hat-Schuld-Ping-Pong zwischen den beiden Medien-Riesen schon hunderte Kunden getroffen hat! Mal hat’s der eine verbockt, mal der andere.

Leute!!! Mir ist es scheißegal, wer es tatsächlich verbockt hat!!! Ich will nur wieder angerufen werden können!
Zieht euch also gefälligst den Schnuller aus dem Arsch und seht zu, wie Ihr den Fehler wieder korrigiert! Herrgottnochmal!!!

 

To be continued …


Schandbaum

 

Irgendwann mal schrieb selbst ich über das ländliche Ritual des Maibaumes in unseren Landen. Dass ich nie einen bekommen habe und jahrelang recht betrübt darüber war. Seit ich aber das hier las, bin ich hingegen sehr, sehr froh darüber keinen vor dem Fenster gefunden zu haben.

Manche Menschen … echt ey.

 


Ad (In)Finitum

Die aufmerksame Leserschaft dürfte noch im Hinterkopf haben, dass Männe und ich uns ein hübsches Plätzchen für die Ewigkeit aussuchen wollen. Da wir dieses Jahr 20 Jahre zusammen sind (unverheiratet in Sünde und stolz drauf! Jawollja!), haben wir uns gedacht, dass wir mit unserer Tradition brechen und diesen speziellen Tag schöner begehen als sonst. Soll heißen, dass wir uns nicht nur was Leckeres vom Italiener holen oder schön zum Chinamann unser Wahl gehen. Zusätzlich gehen wir in den Wald und kommen nie mehr zurück und besichtigen ein Bäumchen, an dessen Wurzeln wir dereinst in trauter Zweisamkeit (mit ein paar Nachbarn, sollte es ein Gemeinschaftsbaum werden) zur letzten Ruhe gebettet werden.

Nun verhält es sich allerdings so, dass Männes Eltern seit langer Zeit ein Familiengrab mit Kapazität für 5 Personen haben. Derzeit bereits anteilig belegt mit Omma und Oppa. Wer rechnen kann, weiß: Platz wäre demnach noch für 3 tote Menschen in Särgen. (Zur Definition „tote Menschen“ zählen leider keine Vampire oder Zombies. Habe ich natürlich gleich in der Friedhofssatzungverordnung  nachgeschlagen.) Dumm nur, dass noch  mindestens 4 Leute aus der Familie übrig sind, sprich unter den Lebenden weilen, aber irgendwann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit doch mal tot umfallen werden. Dazu zählen Männe, sein Bruder, dessen Frau und ich.

Auf dieses Dilemma kurz vor Weihnachten beim Kaffeetrinken angesprochen – als Konsequenz zur Ankündigung, uns dann mal im Friedwald beerdigen lassen zu wollen –, ergab sich folgender (für Unwissende verstörender, für uns aber selbstverständlicher) Dialog zwischen Schwiegermonster und mir.

„Nein! Das kommt gar nicht infrage! Mein Sohn wird nicht auf einem gottlosen Acker verscharrt! Egal, wie viele Bäume darauf stehen! Er kommt mit uns ins Familiengrab. Immerhin hat er ja keine Familie, so wie sein Bruder. Deswegen gehört der letzte Platz ihm.“

„Ach? Und was bin ich? Hühnerleber? Nach 20 Jahren und zwei durchgestandenen Krebserkrankungen bin ich ja wohl auch seine Familie.“

„Sei nicht albern. Ihr seid nicht verheiratet, habt keine Kinder und von mir aus kannst du dich beerdigen lassen, wo du willst. Ist mir egal. Aber Männe kommt zu uns auf den Friedhof! Wenn es sein muss, verfüge ich das im Testament.“

„Kannst du gerne machen, liebe B. So wie es aber derzeit aussieht, werdet ihr beide lange Zeit vor uns sterben. Und dann werdet ihr gar nicht mehr mitkriegen, ob Männe irgendwann bei euch im Grab liegt. Ätsch! Da kannst du als Geist bei uns noch so sehr poltern – wir suchen uns unsere Ruhestätte immer noch selber aus. Da hast du gar nichts zu bestimmen.“

„Das werden wir noch sehen!“

Das glaube ich allerdings auch.

Zufällige Axtmorde sollen wohl sehr verbreitet sein …


Living on the edge

 

An mir wurde gestern von einer Bekannten, die 6 Jahre jünger ist und zwei kleine Kinder hat, etwas praktiziert, was sie wohl für liebevolle Strenge hält. So als wäre sie meine Mudda.

Schwanke nun zwischen amüsierten Gelächter und spontanem Axtmord.

Immer diese Entscheidungen.

 


Discover my ass!

Und der Arsch der Woche geht an: WordPress!!!


Um in meine selbstgewählte, in sich geschlossene mediale Filterbubble etwas frische Luft hereinzulassen, habe ich mir sehr gerne die deutsche WordPress-Seite Blogs of the Day angesehen. Anfang vorletzten Jahres hatte sich von heute auf Morgen das CSS (vermute ich mal) zerschossen und die Leserfreundlichkeit nahm rapide ab, da der defekte Seitenaufbau wie aus den 2000ern wirkte. Auch verschiedene Rechner (Windows, Apple) und unterschiedliche Browser (Chrome, Safari, Opera, Firefox) lieferten das gleiche Ergebnis.

Dann ging Mitte letzen Jahres gar nichts mehr, da ein ständiger Umleitungsfehler auftrat, der von WordPress einfach nicht korrigiert wurde. (Und der hatte nichts mit den Cookies zu tun!)

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Extrem ärgerlich. Aber ich konnte immerhin noch auf Growing Blogs und Top Posts ausweichen, um einige neue Seiten in deutscher Sprache zu meiner Leseliste hinzuzufügen. Diese Listen wurden von einem automatischen Algorithmus zusammen getragen und stündlich aktualisiert.

Doch seit ein paar Tagen ist auch damit Schluss! Stattdessen erschien eine Nachricht auf der Seite (Übrigens immer noch mit zerschossenem CSS!) mit dem Inhalt, dass ein menschliches Team von WordPress eingesetzt wurde, welches nach seinen eigenen Präferenzen Empfehlungen gibt. Aber nur für englischsprachige Blogs, da die unten aufgelistete Sprachauswahl zu keinem Resultat führt.

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Das Ganze nennen sie jetzt *Trommelwirbel* Discover.

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Ich will dir mal was sagen, WordPress:

Discover mich doch am Arsch, du Penner!!!

Deine ständigen Aktualisierungen, Neuerungen und Änderungen finde ich langsam echt zum Kotzen. Als ob es nur noch US-Amerikaner auf der Welt geben würde … Was zur Hölle soll diese Scheiße?!


Mind the gap.

Die geneigte Leserschaft weiß ja bereits, dass wir kurz vor Weihnachten einen Todesfall in der Familie zu verzeichnen hatten und dem Kater-König leider über den Jordan helfen mussten.
RIP & unforgotten.

Nun bin ich ein Mensch, der die Trauer besser verarbeitet, wenn er eine gewisse Ablenkung erhält, um nicht zu tief in das Schwarze Loch zu fallen, das sich in solchen Augenblicken des Verlustes unter mir auftut. Deswegen war bereits vorher klar, dass wir uns eine neue Katze zulegen werden, sobald der Kater das Zeitliche segnet.

Am nächsten Tag habe ich also die Kleinanzeigen durchforstet und stieß auf eine 2jährige schwarze Wuschelkatze, die ein neues Zuhause suchte. Der Anzeigentext war sehr ausführlich und sympathisch geschrieben und enthielt alles, um mich zu überzeugen, dass die Besitzerin der Katze sehr um das Wohlergehen derselben besorgt ist. Also schrieb ich abends nach 20 Uhr eine Mail, in der ich Männe, mich und die letzte Katze kurz vorstellte und unser Zuhause samt Umgebung umriss.
Nach wenigen Minuten wurde ich direkt von ihr zurück gerufen und es entspann sich mit der jungen Dame Anfang 20 ein sehr nettes Gespräch, dass mich auf Erfolg hoffen ließ.

Zwei Tage später fuhr ich wie verabredet die 20 Kilometer zu ihr und der Katzendame, um mir diese anzusehen und zu prüfen, ob es zwischen uns funkt. Das Mädchen lebt auf einem großen, zu vielen Wohneinheiten ausgebauten Bauernhof mit ihren Pferden und ist ein typischen Reiter-Girlie, bei dem sich alles nur um die Tiere dreht. Sie hat noch einen Problemfall-Schäferhund-Mix und einen Kater, welche beide die schwarze Katze nicht besonders leiden können. Deswegen muss sie sie nun leider nach nur sechs Monaten wieder abgeben, weil sie so keinem der drei Tiere gerecht werden kann.

Der Funke springt wie erwartet über und ich sage nach 10 Minuten fest zu, die Katze gegen eine Schutzgebühr von 120 Euro (die ich auch in unserem Tierheim hätte bezahlen müssen) noch vor Weihnachten übernehmen zu wollen. Sie könne gerne – wie in der Anzeige verlangt – bei uns vorher noch vorbei kommen und unsere Wohnung anschauen, damit sie sicher ist, dass die Katze es bei uns wirklich gut hat. Das Mädchen stimmt zu und will dann die Katze Heiligabend-Vormittag vorbeibringen, um sich dabei auch gleich ihr neues Zuhause anzusehen.
Plötzlich wird sie bleich und fängt vor Schuldgefühlen fast an zu weinen. So schnell hatte sie nun nicht mit dem Abschied gerechnet. Ich verstehe sie natürlich vollkommen – bin ja entgegen der landläufigen Meinung kein Unmensch – und schlage vor, dass sie sich ein paar Tage Zeit nehmen soll, um alles zu überdenken. Es wäre auch nicht schlimm, wenn sie die Katze jetzt doch behalten will. Das sei kein Problem für mich, versichere ich ihr mehrmals, da ich ihre Zweifel vollkommen nachvollziehen kann. Menschen wie wir geben ein Tier nicht leichtfertig ab, wenn wir erst einmal Verantwortung dafür übernommen haben. Sie stimmt meinem Vorschlag erleichtert zu und will spätestens am 23. Dezember abends anrufen und Bescheid sagen, wie sie sich entschieden hat.

Wer ruft am 23. nicht an oder schreibt wenigstens ’ne Mail? Richtig.
Männe und ich sind natürlich enttäuscht und werten das Schweigen aus jahrelanger Erfahrung als ein „Nein“. Die Katze ist für uns abgehakt.
Am nächsten Vormittag trudelt plötzlich eine Mail von dem Mädchen ein: Sie sei krank und könne die Katze heute nicht vorbeibringen. Ob wir ab dem 26. Dezember Zeit hätten. Sie würde sich doch gerne vorher noch unsere Wohnung anschauen wollen, bevor sie sich entgültig entscheidet.

Watt? denken wir, das war aber anders abgesprochen. Nun gut, die Katze kann nix dafür, also 2. Versuch. Ich antworte sofort, dass wir das gerne so machen können und sie auch direkt am 26. (was der 2. Weihnachtstag war!) vorbei kommen kann. Sie solle mich bitte anrufen, um den genauen Termin abzuklären

Wer antwortet wieder nicht? Richtig.
Zweieinhalb Tage komplette Funkstille. Wir fühlen uns ein zweites Mal verarscht und sind jetzt echt angefressen. Männe hat schon gar keinen Bock mehr auf den Kram und für ihn ist die Sache direkt erledigt. Am Tag nach Weihnachten (27. Dezember) rufe ich allerdings aus reiner Verbohrtheit morgens das Mädchen an. Das nachfolgende Gespräch hatte ich so nicht erwartet, obwohl ich extra freundlich gesprochen habe.

„Moin, hier ist AnGarasu. Ich rufe wegen der Katze an.“

„Guten Morgen. Was gibt’s?“

„Ich wollte mal wissen, was jetzt Sache ist. Du hast ja weder wie abgesprochen am 23. angerufen, noch dich auf meine beiden Antwortmails von Heiligabend gemeldet. Deswegen gehe jetzt davon aus, dass du dich gegen uns entschieden hast? Ich möchte nur sicher gehen.“

„WAS? Nein, ihr sollt die Katze kriegen. Das ist doch klar!“

„Ach? Das hast du uns aber nicht mitgeteilt. Deswegen wäre es nett gewesen, du hättest uns Bescheid gesagt oder wenigstens auf meine Mails reagiert. Dein Schweigen haben wir jetzt als ein Nein interpretiert und gehen davon aus, dass wir die Katze nicht bekommen.“

„WAS?! Ich glaub es nicht! Was soll das? Ich kann nicht glauben, dass ich mich jetzt rechtfertigen soll, nur wenn ich auf Mails nicht sofort reagiere. Es war Weihnachten! Da habe ich ja wohl besseres zu tun, als vor dem PC zu sitzen und deine Mails zu beantworten!“

„Äh, wie bitte? Ich dachte, du bist krank und Zuhause.“

„Das ist doch wohl meine Sache, ob ich dir gleich antworte oder nicht. Es war immerhin Weihnachten. Da werde ich meine Zeit sinnvoller nutzen! Und überhaupt, in welchem Ton ich mich hier von dir ansprechen lassen muss!“

„Wie bitte? Ton? Das ist kein Ton. Das ist meine normale Stimme. Du hast hingegen gerade einen ganz schönen Ton mir gegenüber drauf, Mädchen! Du willst ein neues Zuhause für deine Katze und hast nicht wie besprochen am Freitag angerufen! Du hast Heiligabend – was im Übrigen auch Weihnachten ist! – sehr wohl vor deinem PC gesessen und eine Mail an uns geschrieben, in der du dich auch nicht an die Absprache hälst. Du hast den 26. Dezember selbst vorgeschlagen, was der 2. Weihnachtstag ist, und dann meldest du dich wieder nicht. Was soll ich deiner Meinung nach also denken, wenn du Heiligabend ne Mail schreibst und den 2. Weihnachtstag für ein Treffen vorschlägst? Dass du Weihnachten Zeit hast, ganz einfach! Ich habe mit meiner Zeit an diesen Tagen auch besseres anzufangen, als nach der Pfeife eines unentschlossenen Mädchens zu tanzen, die meint, dass nur sie den Ton bestimmt! Es geht hier um Absprachen, die du nicht einhälst, und aus jahrelanger Erfahrung mit den Kleinanzeigen, die du aufgrund des Altersunterschiedes zu mir noch nicht hast, heißt Schweigen immer Nein.“

„Ich kann nicht glauben, dass ich mich so von dir anmachen lassen muss!“

„Ja, da hast du vollkommen Recht. Das musst du auch nicht. Und ich mich auch nicht von dir. Und wir müssen auch die Katze nicht nehmen. Ganz einfach. Thema erledigt. Viel Spaß beim Suchen nach neuen Besitzern, die nach deiner Pfeife tanzen. Wir tun es nicht.“

„WAS? NEIN!!! Oh, Gott! Ihr sollt die Katze ja bekommen! Das war doch schon letzte Woche klar! Oh, Gott! Ich glaub’s nicht! Klar, kriegt ihr die Katze. Wir beide müssen ja nicht die besten Freunde sein, Hauptsache die Katze hat es bei euch gut!“

„Ach tatsächlich?“

„Ja!“

„Gut, das sehe ich dann genauso.“

„Wann habt ihr Zeit? Ich würde mir eure Wohnung vorher noch anschauen und dann könnt ihr die Katze holen. Ginge es sogar heute?“

„Ja, das geht. Wann möchtest du vorbeikommen?“

„In drei Stunden? Ist das ok?“

„Ja, das klingt gut. Bis dann.“

„Bis dann.“

 

Die Generationenlücke der normalen Höflichkeit im Umgang miteinander. So schön.