Archiv der Kategorie: Probearbeiten

Nachtrag

Herbst 2009: Ich habe dann doch bei der kürzlich beschriebenen Werbeagentur angerufen, da ich ihr Verhalten wirklich unverschämt finde und mein Bruderschmerz mir hartnäckig dazu geraten hat: „Das wird doch ein Spaß!“

Das Telefonat war dann sehr kurz: „Guten Tag, hier ist *Name einfügen*. Ich habe letzte Woche für drei Tage bei Ihnen probegearbeitet. Da ich am letzten Tag ohne ein weiteres Wort Ihrerseits verabschiedet wurde, möchte ich gerne Ihre Meinung dazu hören.“ Ziemlich zickige Antwort: „Du dumme Nuss, haste nicht zugehört? Ihnen wurde doch mitgeteilt, dass noch andere Mitbewerber zum Arbeiten kommen und sie noch ein paar Wochen Geduld haben müssen.“ Darauf ich: „Ich weiß nicht, wem Sie das mitgeteilt haben; mir jedenfalls nicht. Sonst hätte ich ja wohl nicht angerufen, blöde Trutsche.“ „Ach so, dann kann ich Ihnen ja gleich sagen, dass wir Sie nicht nehmen. Du fette Kuh. Das passt irgendwie wie nicht.“ Ich: „Juchuuu! Gott sei dank!“ „Alles klar, dann weiß ich bescheid. Danke für die Auskunft. Einen schönen Tag noch in der Hölle.“

*Konfettiwerfundjubel*

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40-50-60

Herbst 2009: Ich bin zum Probearbeiten bei einer Werbeagentur eingeladen. Die Arbeitszeiten wurden mir mit „von 8.00 bis 17.00 Uhr und einer Stunde Mittag“ mitgeteilt.

Ich komme da am Montag um 7.30 Uhr hin und werde gleich mit einem großen Berg an Aufgaben konfrontiert. „Klasse“, denke ich, „endlich mal wieder was zum Austoben.“ Die Hälfte meiner Entwürfe findet sofort Anklang bei der Abteilungsleiterin, die andere Hälfte muss ich noch mal überarbeiten. Von der Stunde Mittagspause nehme ich nur 10 Minuten, weil ich die Aufgaben bis abends sonst nicht schaffe.

17.15 Uhr bin ich fertig und frage (mehr pro forma), ob ich noch etwas machen soll oder nach Hause gehen kann. Die Antwort irritiert mich etwas. „Du kannst gerne noch weiter machen.“ Tja, ich merke, das ich schon zu lange aus dem Geschäft raus bin. Trotzdem verabschiede ich mich, da ich seit dem Mittag sehr starke Kopfschmerzen habe. Am nächsten Tag wollte ich die letzten beiden Aufträge erledigen.

Am nächsten Tag um 7.45 Uhr  sind die Aufträge weg und ich muss Bildbearbeitung machen. Das liegt mir sehr und macht auch Spaß. Ich mache nur 20 Minuten Pause, da es sehr viele Bilder sind. Um 17.30 Uhr mache ich wieder als Erste Feierabend und wundere mich ein wenig, warum kein anderer geht.

Am dritten und letzten Tag bin ich um 7.40 Uhr in der Firma und höre im Laufe des Tages ein Gespräch meiner Kollegen: „Wann bist Du gestern gegangen?“ „Es war jedenfalls noch gestern.“ Äh, wie jetzt? Ich frage vorsichtig nach. Die Antwort lässt mich verstummen. Seit Wochen/Monaten sehen die Arbeitszeiten so aus: Es wird von ca. 7.30 bis 18.00 Uhr gearbeitet, dann gehen die Leute nach Hause, kommen gegen ca. 20.00 Uhr wieder und arbeiten noch bis kurz vor Mitternacht. Oder sie gehen gar nicht erst nach Hause, sondern bleiben gleich bis 22.00 Uhr.

Beim Vorstellungsgespräch war von einer 40-Stunden-Woche die Rede! Die Realität ist eine 50-Stunden-Woche und mit Überstunden ist eine 60-Stunden-Woche gemeint. Der eine Typ schenkt seiner Freundin zum Ausgleich PS-Spiele: „Wenn sie mich schon so selten sieht, dann soll sie wenigstens etwas zu spielen haben.“ Da war ich doch etwas platt. Was ist das denn für ein Ersatz für das Privatleben?

Sollte ich froh sein, dass die mich nach dem dritten Tag ohne ein weiteres Wort der Erklärung haben gehen lassen und sich auch bis jetzt in keiner Weise gemeldet haben? Ich glaube schon. Ehrlich gesagt: Ich bin das erste Mal sogar erleichtert.


38° und es wird noch heißer …

Sommer 2008: Kurz nach dem Fiasko mit der Futtermittelfirma werde ich zum Probearbeiten bei einer Druckerei eingeladen. Ich habe noch 10 Tage Zeit, bevor es soweit ist. Leider fällt mir nichts besseres ein, als eine fette Sommererkältung zu bekommen. So schlimm, dass ich drei Tage mit über 38° im Bett liege. Am vierten Tag soll das Probearbeiten sein.

Kurz vor’m Sterben schleppe ich mich mit immer noch 38°, dickem Kopf, bellendem Husten und vollgepumpt mit Paracetamol zur Druckerei. Aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Ich kriege kaum ein Wort aus meinem heiseren Hals. Nur dieser bellende Husten verschreckt die potentiellen Kollegen.

Die Aufgaben, die sie mir geben, sind nicht besonders schwierig, aber ich muss kämpfen, um nicht mittags schon tot vom Stuhl zu kippen. Mein Hirn wehrt sich hartnäckig mit Händen und Füßen gegen seine Benutzung und schaltet irgendwann trotzig ab. Meine Stimme leistet ihm aus Solidarität dabei Gesellschaft. Trotz allem sind die Leute sehr nett zu mir und lassen durchblicken, dass ich gute Chancen habe, den Job zu bekommen. Um 16.00 Uhr werde ich nach Hause geschickt. Am Freitag wollten sie sich melden.

Der Freitag kommt und geht, ohne dass das Telefon klingelt. Am Montag rufe ich an und frage nach, was denn nun ist. „Ach, Sie haben den Brief noch nicht erhalten? Wir haben allen Bewerbern die Briefe schon geschickt. Leider haben wir jemand anderen eingestellt.“ Schönen Dank auch. Erst quäle ich mich dahin, sitze acht Stunden halb tot am Tisch und dann halten die es noch nicht mal für nötig tatsächlich anzurufen, wie sie es gesagt haben.

Das Beste ist: Der angekündigte Brief kam drei (!) Wochen später mit dem Datum von zwei Tagen früher. Von wegen der Brief war schon am Freitag unterwegs … Professionalität, gibt es Dich überhaupt noch?