Archiv der Kategorie: Spaßbewerbung

312. Versuch

wieder Winter 2010: Und wieder ein Versuch: Am Freitagmorgen habe ich mich per Email auf eine Bürostelle bei einer Arbeitsvermittlung beworben. Ein bisschen Post sortieren und verschicken, Datenerfassung am PC und anderer Kleinkram. 9 Euro die Stunde in Vollzeit bringen zwar keinen Reichtum, würden aber erstmal meinen finanziellen Probleme lösen.

Freitagnachmittag stehe ich nichts Böses ahnend vor dem Wäscheständer und erledige die häuslichen Pflichten, als das Telefon klingelt und mir eine freundliche Stimme mitteilt, dass ich am Montagmorgen um 8.00 Uhr zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen bin. Suprise, Surprise!

Geht die ganze Sache von vorne los. Gespräch, hohe Erwartungen und Hoffnungen, Enttäuschung und Wut. *ichmagnimmer*


Noch ein Weihnachtsgeschenk

Heiligabend 2009: Seit Tagen liegt Schnee. Nicht meterhoch, aber doch soviel, dass die Postboten immer später am Tag die Post ausliefern. Normalerweise bei uns um 9.30 Uhr. Doch seit dem Schnee ist es ein Glückspiel, wann sie da ist. So ist es am 22. Dezember passiert, dass ich um 12.00 Uhr nachgesehen und den Briefkasten leer vorgefunden habe. Ok, heute eben keine Post. Am nächsten Vormittag war Post drin. Leider mit einer Absage der Bundeswehr vom Tag zuvor. Toll, toll, toll! Weihnachten im Arsch. Perfektes Timing. *örks*

Abends gucke ich eher aus Spaß, denn ernst gemeint in den Briefkasten. Höh? Schon wieder was drin. Diesmal von heute und eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei einer PR-Agentur, bei der ich mich vor vier Wochen um eine 400-Euro-Stelle als Bürohilfe beworben haben. Und jetzt das Geschenk: Die wollen mir nicht nur den Bürohiwijob anbieten, sondern nach Durchsicht meiner Unterlagen auch gleich noch einen Job als Mediengestalterin! Erst einen Tag die Woche, dann bei Bedarf mehr. Für Präsentationen und Seminare. Ob ich damit einverstanden wäre? Nein, bloß nicht. Wer will schon als Pixelschubser arbeiten? Na klar, bin ich! Gleich Mail hingeschrieben und Termin bestätigt.

Da bin ich immer noch platt. Wer rechnet auch mit sowas. Morgens ’ne Absage und Abends quasi ’nen neuen Job. Das passt ja wunderbar. Wenn das mit dem anderen Job bei der Zeitung klappt, kann ich nebenbei noch Geld verdienen und mir endlich einen besseren Mac kaufen. Es gibt den Weihnachtsmann also doch.


Ein Weihnachtsgeschenk?

Winter 2009: Anfang Dezember habe ich mich auf eine 400-Euro-Stelle als  Mediengestalterin beworben. Überraschenderweise bekam ich eine Woche später einen Telefonanruf, bei dem ich zu einem Vorstellungsgespräch drei Tage später in eine Café-Bar eingeladen wurde. Am Abend des Telefonanrufes bekam ich noch eine Mail der Firma, in der ich gebeten wurde, vorab schon mal eine Probearbeit abzuliefern. Die Daten hingen dran, die anderen Kandidaten hatten die gleiche Aufgabe. Am nächsten Tag sollte ich das fertige Seitenlayout für eine Autozeitung per Mail an die Firma schicken.

Nun ist mein Männe ein Autofreak und hat auch die entsprechenden Zeitschriften abonniert. Also flugs die aktuellen Ausgaben rausgesucht, durchgeblättert, analysiert und ein neues Layout entworfen. Knapp vier Stunden und drei Entwürfe später habe ich mich mit mir auf den letzten Entwurf geeinigt. Den dann gleich druck- und vorlagenfähig gestaltet und per Mail verschickt. Die nächsten Tage bin ich fingernagelkauend durch die Wohnung geschlichen und habe auf den Stichtag gewartet.

Beim Vorstellungsgespräch mit der Firma – sie besteht aus einer Person – wurde ich sehr überrascht, und das aus mehreren Gründen: Es soll eine kostenlose Autozeitschrift in drei Landkreisen herausgegeben werden, die sich allein durch die Anzeigen finanzieren soll. Die Herausgeberin/Firma startet das erste Mal so ein Projekt. Dem entsprechend unerfahren ist die Dame. Sie braucht fähige Grafiker, die die gesamte Druckplanung, Gestaltung, Organisation und Koordination mit den zuarbeitenden Grafikern – die tatsächlich eine 400-Euro-Stelle haben – übernehmen. Und plötzlich wurde aus meinem 400-Euro-Job eine Vollzeitstelle mit 40 Stunden vom Home-Office aus. Überraschung!

Das Gespräch dauerte fast zwei Stunden und nach der ersten halben Stunde kamen die Worte „Ihr Entwurf hat mir am Besten gefallen und Sie haben Ahnung von der Druckmaterie. Bei Ihnen habe ich ein sehr gutes Gefühl, Sie haben den Job!“ und ich wurde ganz plötzlich und völlig unerwartet eine der drei „Obergrafiker“ des Verlages. Es kommt mir wie ein Weihnachtsgeschenk vor. Hoffentlich muss ich es nicht umtauschen. Nach Weihnachten werden die Modalitäten geklärt. Aber erst wenn das erste Gehalt eingeht, werde ich glauben können, dass ich wieder zur arbeitenden Bevölkerung gehöre. Bis dahin werde ich ungläubig meinen Kopf schütteln und erst mal Weihnachten feiern.


Bewerbungs-Statistik

Fast Winter 2009: Ich führe seit Beginn meiner Arbeitslosigkeit (Juni 2008) eine Liste mit meinen Bewerbungsversuchen. Aus dem einfachen Grund: Mein. Arbeitsamt. Will. Das. So. Ich hätte es lieber nicht gemacht, da es mich viel zu sehr deprimiert.

Heute bin ich so tief unten, dass ich nicht tiefer sein kann. Es sei denn, es drückt mir wer ’ne Schaufel in die Hand. Aus Angst, Niedertracht, Elend, Spaß fasse ich die Ergebnisse mal für Euch zusammen, damit Ihr mit mir zusammen deprimiert sein könnt. Ich bin ein Dämon aus der Hölle, ich weiß.

Bewerbungen seit Juni 2008

285 insgesamt, davon

  • 184 per Telefon
  • 28 per Post
  • 71 per eMail
  • 1 über Online-Formular
  • 1 persönlich vorgesprochen

davon

  • 276 als Mediengestalterin
  • 9 als Aushilfen

Erwischt!

Sommer 2008: An eine PR-Agentur schicke ich nach einem sehr netten Telefonat wie abgesprochen einen Teil meiner Referenzen per Post. Da ich diese nicht in unzähliger Zahl vorliegen habe, rufe ich also nach acht Wochen des erfolglosen Wartens dort an und frage freundlich, ob ich sie wieder abhohlen könne.

Die Sekretärin sagt nach Rücksprache mit Ihrer Cheffin, dass der Umschlag schon letzte Woche rausgegangen sei und längst bei mir sein müsste. Also entscheide ich mich, noch ein paar Tage zu warten. Eine Woche später ist immer noch nichts angekommen. Also rufe ich dort nochmals an, dieses Mal habe ich die Cheffin dran: „Ja, tut mir leid, die Sachen liegen hier noch, ich schicke sie sofort raus.“ Alles klar, kein Thema. Zehn Tage später immer noch nichts. Wieder angerufen. Cheffin lässt sich von Tippse vier Mal verleugnen. Auch auf meine drei Emails erhalte ich keine Antwort.

Normalsterbliche hätten jetzt vielleicht entnervt aufgegeben. Ich nicht. Jetzt wurde es gerade lustig. Nochmal angerufen. Dieses Mal wurde mir von der Tippse gesagt, ich würde heute eine Email von der Cheffin erhalten. Angeblich schon vor einer Stunde. Ja nee, ist klar. Natürlich kam nichts. Nochmal angerufen, dieses Mal mit unterdrückter Rufnummer und nach Feierabend der Sekretärin, die nur halbtags arbeitet (habe ich mal durch Zufall rausgefunden). Cheffin geht tatsächlich ran. Ich gebe mich zu erkennen und frage, warum nicht endlich zugegeben wird, dass meine Unterlagen wahrscheinlich schon in der Recyclinganlage sind. Kann ja passieren, ich möchte nur eine klare Auskunft und mich nicht ständig verarschen lassen. Das sei ja wohl kein professionelles Verhalten. Cheffin keift mich an, dass ich Ihr auf die Nerven gehe und nicht mehr anrufen soll. Ich frage, ob sie mit Ihren Kunden auch so umgeht. Es würde ja wohl keinen guten Eindruck machen, wenn dieses Verhalten bekannt würde. Ich möchte doch nur eine klare Aussage über den Verbleib meiner Unterlagen. Cheffin faucht: Was weiß ich denn, was meine Sekretärin damit gemacht hat. Danke, mehr … *klick tuuuuut*

So sieht anscheinend professionelles Verhalten gegenüber einem (potentiellen) Angestellten aus, liebe Leute. Merkt Euch gut, dem Fußvolk gegenüber muss keine Rechenschaft abgelegt werden.


Eine Therapiesitzung gespart

Frühjahr 2009: Eine kleine Werbeagentur lädt mich zum Vorstellungsgespräch ein, an die ich vorab schon Referenzen per Post geschickt hatte. Vorher schaue ich auf deren Homepage und fange an zu lachen. Das Intro ist der Hammer, vor allem der Spruch: „Wir kommunizieren die Natur der Dinge.“ Ok, muss wohl eine sehr gute Agentur sein.

Ich fahre gut vorbereitet mit weiteren Referenzen im Gepäck zum Gespräch. Der Herr lässt mich erstmal meinen Lebenslauf auswendig aufsagen und blättert durch die Referenzen. Als ich fertig bin, fängt er erst an: Warum ich nur so wenig mitgebracht habe. (Äh, das hatte ich gerade eben erklärt.) Wie ich denn darauf käme, 2.300 Euro brutto als VHB anzugeben. Er sähe doch, dass ich ein Nichtskönner bin. Die Typografie ist ätzend, die Bildanordnung ist scheiße, von Design hätte ich ja keine Ahnung. Er müsste mich ja noch einmal komplett neu ausbilden, da wären 2.300 ja wohl völlig übertrieben. Wie ich auf die Idee käme, mich überhaupt mit diesen nicht vorhandenen Fähigkeiten zu bewerben? Es hätte sich jemand vorgestellt, der total gut wäre und einen riesigen Stapel an Referenzen dabei hatte. Der würde nur 1.600 Euro brutto verlangen.
Das alles in einem Ton, der mich ob solcher Unverschämtheit regelrecht erstarren lässt. Wo bin ich denn hier gelandet, beim verbalen Kickboxen ohne Erziehung und Anstand?

Plötzlich schalten sich mein Hirn und meine Zunge wieder ein: „Danke für die konstruktive Kritik. Die nehme ich gerne an. Aber dann stellen Sie diesen Mann doch ein, wenn er mit 1.600 Euro leben kann. Ich kann das nicht, allein der Sprit würde mich schon auffressen, da ich 35 km entfernt wohne. Warum habe Sie mich überhaupt eingeladen, wenn Sie meine Arbeit so dermaßen scheiße finden?“ Fassungslos sitze ich ich dem Arsch gegenüber. „Das bin ich Ihnen als einer der besten Grafiker schuldig, damit Sie sich verbessern können.“ An diesem Punkt habe ich mich entschlossen, dass Totschlag keine Lösung ist. Das Gespräch habe sofort abgebrochen und bin gegangen.

Im Auto habe ich 10 Minuten gebraucht, um das Lenkrad wieder loslassen zu können. Ich bin wirklich kein typisches Mädchen, aber ich musste heulen. Vor Wut auf den Typen und auf mich, weil ich mich habe so behandeln lassen und viel zu spät reagiert habe. Für wen hält der sich? Für Jung von Matt oder was? Wenn die mir das gesagt hätten, wäre das was Anderes gewesen, aber doch nicht diese kleine Popel-Klitsche. Und dann nicht auf diese Art und Weise. So etwas ist nicht professionell, Junge.

Eine Freundin sagte später, damit hat sich der „ach so tolle“ Grafiker eine Sitzung bei seinem teuren Therapeuten gespart. Wahrscheinlich lädt er einmal im Monat jemanden ein, den er zur Schnecke macht, um sich selbst als Gott zu fühlen.

Nochmal lasse ich mir das nicht bieten. Auf so einen potentiellen Chef kann ich verzichten.


Wollte Sie mal kennenlernen …

Sommer 2008: Eine Druckerei hat auf eine meiner Bewerbungen geantwortet und mich zu einem Vorstellungsgespräch um 16.30 Uhr eingeladen.

Das Gewerbegebiet liegt mitten in der Stadt und ist mir unbekannt. Also flugs bei GoogleMaps die Route ausgedruckt (40 km) und um 15.30 Uhr mit meinem Auto losgedüst. Um 16.00 Uhr lande ich mitten im schönsten städtischen Feierabendverkehr. Macht nix, hast ja noch 30 Minuten. Also folge ich der Routenbeschreibung und stelle plötzlich fest: Ich soll in eine Einbahnstraße rein. Von der falschen Seite. Mmmh, fährste mal die daneben rein und guckst, wo du rauskommst. Öh, wo bin ich jetzt?

Das Ganze zieht sich fast 30 Minuten hin, bis ich entnervt bei einem Autohaus halte und nach dem Weg frage. Der wird mir fast verständlich erklärt. Also geht’s weiter. Nach mal eben schnell bei der Firma angerufen und sagen, dass ich „in der Stadt festhänge“ und noch etwas brauche. (Man beachte die Wortwahl.) Nachdem ich noch 30 Minuten im Feierabendverkehr brauche, fahre ich auf den Hof der Firma. Gehe zur Tür, drücke und breche mir fast das Handgelenk: zugesperrt. Scheiße, die sind schon im Feierabend. Aaaarrrgggghhh!

Handy gezückt, angerufen. Der freundliche Herr teilt mir mit, es gäbe eine Klingel neben der Tür, man würde mir dann öffnen. Peinlich berührt drücke ich auf die Klingel, die ich in meiner Hast nicht gesehen habe. Typisch.

Alles wird gut und ich sitze im Gespräch mit dem potentiellen Chef. Das erste was er fragt, ob ich noch beim Einkaufen war. Häh? „Ja, sie hingen doch noch in der Stadt fest. Standen Sie noch an der Kasse?“ „Äh, nein. Ich stand im Feierabendstau. Der dauerte länger als gedacht. Außerdem habe ich mich total verfahren.“ Was denkt sich der Typ? Dass ich erstmal ordentlich shoppen war, oder was?

Dann lässt er mich fast 45 Minuten quatschen und erklärt die Einzelheiten der Konditionen: Aufträge, Hardware, Wochenstunden, Gehalt, Urlaub. Beim Verabschieden sagt er: „Schön dass Sie hier waren. Leider haben wir in absehbarer Zeit keine Stelle frei, aber ihre Bewerbung klang interessant, da wollte ich Sie einfach mal kennenlernen.“

Sprachlos stolpere ich aus der Tür und fasse mir an den Kopf: 1,5 Stunden Stau, 45 Minuten Mund fusselig gequatscht und 80 km umsonst gefahren. Wo bin ich hier? Im Wiewunderland oder was?

Das nächste Mal gehe ich hin und sage: „Ach, eigentlich suche ich keinen Job. Ich wollte nur mal Ihre Firma kennenlernen …“