6 Tage mit ohne Zwischenfall

Seit sechs Tagen bin ich nun schon wieder in Lohn und Brot.

Gestern morgen sagte einer beiden Chefs zu mir, er wohle mich mal eben sprechen. Ich soll schon mal ins Besprechungszimmer gehen.

Ohgottohgottohgottohgottohgott!!! Die wollen mich feuern!!! Ich hab bestimmt irgendeine Scheiße gebaut und fliege raus!!! Ohgottohgottohgottohgottohgott!!!

Ich muss mich fast übergeben vor aufsteigender Panik, schaffe es aber noch zu nicken und schleiche mit gesenktem Kopf in den Raum. In den drei Minuten, die ich auf Chef warten muss, dreht sich alles um mich wie im Karussell und mein Herz trommelt den Rythmus von Metallicas Be quick or be dead.

Dann kommt Cheffe rein, setzt sich mir gegenüber, grinst und sagt: „Dem Kunden hat dein Entwurf der Gutscheine so gut gefallen, dass er die gestern noch sofort bestellt hat und uns auch gleich noch mehr Sachen in Auftrag gibt. Darum kümmerst du dich dann in Zukunft. Scheinst ja den richtigen Style für diesen Kunden gefunden zu haben. Hier schon mal die nächste Bestellung von ihm …“

Der Rest geht im Ohrenrauschen der Erleichterung unter.

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Stock und Stein bricht mir das Bein …

… aber Worte tun nicht weh?

Manchmal klickst du dich nichts ahnend durch seine Blogroll und stolperst plötzlich über einen Text, der dich wie der Blitz trifft.

BÄMM!

Eingeschlagen. Und zwar in dich.
Dann sitzt du wie paralysiert vor dem Rechner und starrst mit blinden, tränenschwimmenden Augen auf diesen Text, der dich gerade mitten ins Hirn, Herz, oder was auch immer getroffen hat, und bist direkt in die Vergangenheit katapultiert worden.

Sätze, die schon lange in deinen Erinnerungen unter Tonnen von emotionalem Beton von dir begraben wurden, hallen überwältigend laut in deinem Kopf wider. Und während sie immer lauter und lauter auf dich einbrüllen, wirst du immer kleiner und kleiner …

„Sie sind eine totale Versagerin! Sie können noch nicht mal die einfachsten Gleichungen lösen. Sie werden es in ihrem Leben zu nichts bringen. Niemals!“
(Mathelehrerzitat während der Oberstufe)

„Du bist hässlich.“
(Kindermund diverse Male)

„Du bist zu fett. Mit dir spielen wir nicht.“
(Kindermund diverse Male)

„Du bist zu vorlaut.“
(Lehrer- und Chefzitat)

„Sie sind einfach zu selbstbewusst für Ihr Aussehen.“
(Arbeitsamtsachbearbeiter- und Chefzitat)

„Du tust immer, als wüsstest du alles, aber in Wirklichkeit kannst du nichts.“
(Kolleginnenzitat während der Ausbildung)

„Auf dem Foto sehen Sie aber viel hübscher aus.“
(Kundenzitat nach der Ausbildung)

„Ihre schöne Stimme passt gar nicht zu Ihrem Aussehen.“
(Kundenzitat während und nach der Ausbildung)

„Eine hübsche junge Frau würde die Männer hier nur vom Arbeiten abhalten. Deswegen haben wir Sie eingestellt.“
(Chefinnenzitat)

„Du schiebst die Schuld immer auf andere.“
(Chefzitat)

„Stell dich nicht so an.“
(Familien- und Chefzitate)

Auch Nieselpriem kennt diese Stimmen. Bei ihr ist es aber wenigstens dennoch gut ausgegangen. Weil es immer wieder Leute gab, die sich für sie einsetzten, ihr Zuspruch gaben und sie auch eine große Portion Glück hatte.

Ich hingegen nicht.


Mai-Garten

 

 

Dieses Jahr sind wir im Mai noch lange nicht so weit wie im letzten Jahr.
Kaum etwas blüht, weil der späte Frost auch uns hart getroffen hat. Zusätzlich sind viele Teile meiner Frühlingsblüher stark dezimiert worden, da ich radikal gegen die übergreifende Gierschverschwörung vorgehen musste (Habe ich letztes Jahr aufgrund meiner Krankheit schleifen lassen, das rächt sich nun.) und dabei leider großer Kollateralschaden entstand. Außerdem haben wir die Zypresse in der Ecke und die Korkenzieherweide entfernt, weil beides trotz regelmäßigen Beschnitts einfach zu groß geworden war und viel Schatten auf die Rosen und Stauden warf. Dafür sind eine ganze Reihe neuer Sommerblüher eingepflanzt worden: Stockrose, Sommerflieder, Indianernessel, Phlox, Elfenspiegel, Ehrenpreis, Clematis und Sachen, deren Name ich natürlich wieder vergessen habe. Außerdem eine neue Sorte Fette Henne: kleinbleibend, mit roten Blättern und tollen Blüten im Herbscht.
Und wie immer wachsen wieder wunderschöne Blumen und Kräuter, die sich selbst ausgesät haben und die mich überraschen werden. Yay!

Wir schon noch ein schöner Garten werden!


Gedisst – oder: Als Kunde von Telekom und Vodafone ist man immer gefickt

 

Es hat schon seine sehr, sehr guten Gründe, warum wir auf dem platten (platt, platter, am plattesten) Land leben.  Ein schneller Internetanschluss gehört leider nicht dazu.

Deswegen waren wir auch extrem dankbar, als Vodafone vor ein paar Jahren seine Vertreter flächendeckend losschickte, um die neue LTE-Funktion anzupreisen. Bei uns waren sogar zwei verschiedene Vertreter innerhalb einer Woche da! Wir haben dem ersten vor Freude schluchzend die Füße geküsst und ihm mein Erstgeborenes dargeboten sofort beim ersten Angebot dankbar zugeschlagen, da die Telekom bis dato leider nur DSL-Light bei uns zur Verfügung stellen konnte. Im Vergleich kam man sich wirklich wie in der digitalen Steinzeit vor.

Sechs Jahre lang waren wir nun Kunde bei diesem Verein. Am Anfang waren wir auch trotz der sehr hohen Kosten zufrieden, doch leider stellten sich nach und nach echt nervige Fehler ein, die wir am Ende nicht mehr ignorieren konnten. Auch der zweimalige Austausch des Routers brachte keine Besserung. Nachdem dann mehrfach und sogar für 21 Tage lang am Stück, Telefon und Internet alle paar Minuten teilweise über Stunden hinweg ausfielen, reichte es uns. Wir kündigten im Dezember 2016 fristgerecht zum 12. April diesen Jahres und beantragten zeitgleich bei der Telekom einen DSL-LTE-Hybrid-Vertag. Die Kündigungsbestätigung flatterte auch prompt ein paar Tage später per Mail ins Haus und wir hofften, alles würde gut werden.

Aufgrund technischer Unvorhersehbarkeiten musste unsere Wohnung noch an den Telefon-Verteilerkasten des (6-Parteien) Hauses angeschlossen werden, da das vor ein paar Jahren, als alles aktualisiert wurde, vergessen worden war. Stattdessen hat eine Wohnung zwei aktuelle Anschlüsse bekommen, wir aber keinen. Das sollte aber erst am 20. April geschehen, da dann der Telekomtechniker in der Nähe wäre. Das heißt, wir wären dann für acht Tage ohne Festnetz und Internet. Ärgerlich, aber überlebbar, da Männe seinen 8GB-Handyvertrag als Hotspot zur Verfügung gestellt hätte.

Ich schreibe extra hätte, weil er das nicht tun musste. Denn wie ich am 12. und auch wundersamerweise am 13. April feststellte, funktionierte immer noch alles einwandfrei.
Nanu? Was war da denn los? Haben die unsere Kündigung etwa vergessen?
Ich da angerufen, die Sachlage der freundlichen Dame geschildert und die meinte, ja, Kündigung ist aktuell und im Laufe des Tages würde alles abgeschaltet werden.

Am 20. April lief immer noch alles. Ich Böses ahnend, nochmals angerufen: In Dubai erzählt mir daraufhin eine Dame aus dem Callcenter, dass leider, leider gar keine Kündigung eingetragen wäre und der Vertrag sich deswegen automatisch bis zum 12. April 2018 verlängert habe. Da könne man auch leider, leider nichts machen …

WTF?????!!!!!!!
Ich sofort dazwischen gegrätscht.

Moooment mal, gute Frau! Ich habe hier aber im Dezember 2016 eine Bestätigung Ihres Vereins erhalten, in der sehr wohl drinsteht, dass zum 12. April 2017 alles gekündigt wurde. Wie kann es sein, dass sich dann der Vertrag automatisch verlängert, häh? Muss ich einen Anwalt wegen Betruges einschalten, oder wie?“

„Äääähhh … in diesem Fall verbinde ich sie am besten direkt mit der Kündigungsabteilung.“ *tuuuuut*

Ja, nee. Is klar.
Ende vom Lied: Es tut Vodafone in Deutschland wirklich extrem leid, aber da ist wohl im System was schief gelaufen, natürlich gelte meine Kündigung, der Vertrag verlängere sich nicht, nur das Datum würde sich systembedingt auf den 26. April ändern. Danach ist dann aber wirklich Schluss.

OK, damit konnte ich leben. Immerhin hatten wir so noch bis zum 20. April unser Tor zur Welt.

Gestern dann rief ein Kumpel von Männe auf seinem Handy an und teilte uns mit, dass wir seit Tagen per Festnetz nicht mehr zu erreichen wären. Ob wir unsere Nummer gewechselt hätten?
Natürlich haben wir das nicht.
Aber seltsamerweise hörten sowohl Männe als auch ich, als wir über unsere Handies unsere Nummer anriefen, den Satz: „Diese Rufnummer ist nicht vergeben.“
Äh, watt?
Wieso war hatte dann erst am Nachmittag mein Versicherungsmensch mich über Festnetz erreicht? Störung bei der Telekom? Router abgeschmiert?

Als erstes habe ich den Router neugestartet, doch das Problem blieb. Heute Morgen war es immer noch da. Ich bei der Telekom angerufen und 45 Minuten mit dem sehr hilfsbereiten Techniker telefoniert, rumprobiert, neugestartet, umgestellt, Leitung geprüft usw. Wenn er den Testanruf gemacht hat, kam er durch. Wenn wir raustelefoniert haben, funktionierte auch alles. Nur wenn wir mit unseren Handies anriefen, die über das D2-Netz laufen, passierte: nichts.

A-ha!

„Wir waren bis vor Kurzem noch LTE-Kunde bei Vodafone. Jetzt sind wir bei der Telekom. Männes Kumpel ist aber Vodafone-Kunde, genauso wie wir mit unseren Handies. Gibt es da etwa einen Zusammenhang?“

„Dazu darf ich Ihnen leider nichts sagen“, kommentiert der Telekomtechniker vielsagend meine Vermutung, „aber bei uns liegt das Problem nicht. Sie sollten sich mal mit Vadafone in Verbindung setzen und dort das Problem schildern. Womöglich ist bei der Portierung der Rufnummer noch eine System-Sperre aktiv. Das kann schon mal vorkommen.“

„Wollen Sie damit sagen, Ex-Kunden werden von dem Laden gedisst, wenn man zur Telekom wechselt?“

„Wie gesagt: Dazu darf ich leider keine Auskunft geben.“

Sach mal! Wo sind wir denn hier? Im Kindergarten, oder was? Jetzt werden die Kunden sogar noch nach der Kündigung verarscht?

Natürlich habe ich gleich bei Vodafone angerufen, die Sachlage genau geschildert und die von denen reflexartige Schuldzuschiebung auf die Telekom direkt zweimal abgeschmettert, mit dem Hinweis, dass im Internet natürlich nachzulesen ist, dass dieses Der-andere-hat-Schuld-Ping-Pong zwischen den beiden Medien-Riesen schon hunderte Kunden getroffen hat! Mal hat’s der eine verbockt, mal der andere.

Leute!!! Mir ist es scheißegal, wer es tatsächlich verbockt hat!!! Ich will nur wieder angerufen werden können!
Zieht euch also gefälligst den Schnuller aus dem Arsch und seht zu, wie Ihr den Fehler wieder korrigiert! Herrgottnochmal!!!

 

To be continued …


I call back

AnGarasu sitzt gerade glückselig in ihrem nagelneuen Auto und fährt durch die Innenstadt ihrer Kreisstadt, als ihr Handy klingelt. Verbunden mit dem Entertainmentcenter des Wagens, nimmt sie den Anruf aus Jux an, weil sie gleich mal testen will, wie gut die integrierte Freisprecheinrichtung funktioniert.

Is doch glatt einer ihrer beiden neuen Chefs dran.

„Garasu!“

„Hallo Frau Garasu! Hier … Chef 2. Ich … mal … hören, ob  … geklappt hat.“

… oder so ähnlich.

Verdammt, leider funktioniert die Anlage nicht so gut, wie sie gehofft hatte, denn man kann kaum was aus den Lautsprechern hören. Ist aber gerade mitten am Fahren und kann nicht das Handy ans Ohr halten.
Was macht man also? Man brüllt und täuscht vor.

„Oh, äh, hallo! Sorry, habe gerade ganz schlechten Empfang. Kann ich sie gleich zurückrufen?“

„Gerne.“

… oder so ähnlich.

Während sie den Anruf beendet, öffnen sich die Schleusen zu ihrem Adrenalinstausee. Ohgottohgottohgottohgott! Was wollen die? Wollen die den Job wieder absagen? Habe ich einen Fehler gemacht? Haben die mit meinem Ex-Chef gesprochen? Aaaarrrggh!

Mit beiden Händen das Lenkrad fest umklammert, visiert sie schnell den nächsten Pakplatz an, schießt rein in die Lücke und zückt ihr Handy. Was ihr natürlich erst mal aus der Hand und in den Fußraum rutscht. Fluchend angelt sie elefantengleich danach und wählt zitternd die Rufnummer ihrer neuen Firma.

„Chef 2.“

„Hallo, hier ist Frau Garasu. Was gibt’s denn?“

„Ach, ich wollte nur mal fragen, ob Sie schon was wegen der Kündigung bei Ihrer alten Firma gehört haben und ob es beim 1. Juni bleibt.“

Ächz. Aufatmen.

„Ja, nee. Kündigung ist eingereicht, die sind einverstanden und es bleibt beim 1. Juni.“

„Das ist ja super! Mehr wollte ich gar nicht wissen. Dann noch eine schöne Zeit und wir sehen uns am Ersten! Wir freuen uns, bis dann!“

 

Sie mal einer an. Es kann also auch schöne Telefonate mit einem Chef geben. Gut zu wissen.

 


Schandbaum

 

Irgendwann mal schrieb selbst ich über das ländliche Ritual des Maibaumes in unseren Landen. Dass ich nie einen bekommen habe und jahrelang recht betrübt darüber war. Seit ich aber das hier las, bin ich hingegen sehr, sehr froh darüber keinen vor dem Fenster gefunden zu haben.

Manche Menschen … echt ey.

 


Neues Spiel? Neues …

… Glück?

Oder doch Pech? Wer weiß. Aber auf jeden Fall habe ich einen neuen Job.

Zum 1. Juni soll’s losgehen. Teilzeit als Mediengestalterin – und NUR als Mediengestalterin.
Kein Drucken mehr, keine kaufmännischen Aufgaben, kein Konfektionieren und keine Abteilungsleiteraufgaben. Und das alles bei nur 70% des eigentlichen Gehaltes in einer 45 Stundenwoche.
Stattdessen nur noch 30 Stunden die Woche an 5 Tagen, von 8 bis 14 Uhr. So wie ich es mir vorgestellt habe. In einer kleinen Werbeagentur 20 Autominuten entfernt. Leute nett, Gebäude nett, Kunden nett, Aufgabengebiet nett, Urlaub ok, Geld naja.

Zuerst waren die wegen meiner Hintergrundgeschichte, die ich denen nach dem Vorstellungsgesprächs bei der Einladung zum Probearbeiten wahrheitsgemäß offen legte, sehr geschockt und arg im Zweifel, ob ich gesundheitlich belastbar wäre, dennoch haben mein Können und meine Berufserfahrung überzeugt, die ich unbedingt mit neuen Ideen einbringen soll.

Bleibt nur noch die Kündigung bei meiner alten Hölle Firma. Ich habe denen per Mail schon mal vorab Bescheid gegeben, dass ich zum 31. Mai weg sein werde. Waren sie total mit einverstanden. (Ach, echt?)
Männe hat den Schrieb dann abends auf dem Weg zur Arbeit bei denen in den Briefkasten geworfen. Mit ausführlichem Handyvideo, nur falls die mir erzählen wollen, die hätten den angeblich nicht gekriegt. So plietsch bin ich ja nun auch.
Jetzt warte ich auf die Bestätigung. Hab noch ein paar kleine Forderungen gestellt, von denen mir die allermeisten auch zustehen, laut Nachfrage bei der Gewerkschaft. Wahrscheinlich hauen die mir trotzdem noch ein paar böse Steine in den Weg, aber das werde ich auch überleben.

Und dann heißt es:

Fuck off!